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Verhaltensökonomie: Glück statt Geld

Der britische Premier David Cameron setzt so stark wie kein anderer Politiker auf die Erkenntnisse der Verhaltensökonomen. Schon ab dem nächsten Jahr soll die Zufriedenheit der Inselbewohner gemessen werden. Die deutsche Politik hinkt bei diesem Thema noch hinterher.

Der britische Premier David Cameron hat große Pläne mit der Verhaltensökonomie. Quelle: Lutz Widmaier
Der britische Premier David Cameron hat große Pläne mit der Verhaltensökonomie. Quelle: Lutz Widmaier

LONDON. Es gibt nicht viele Themen, bei denen der britische Premier David Cameron mit seinem Amtsvorgänger der gleichen Meinung ist. Gordon Browns Haushaltspolitik? „Kriminell.“ Seine Einwanderungspolitik? „Zu großzügig.“ Seine Haltung zur Reform des Wahlrechts? „Opportunistisch.“

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In einem aber sind sich die beiden einig: Die Politik muss viel stärker als bislang die Erkenntnisse einer jungen ökonomischen Disziplin berücksichtigen, der verhaltensorientierten Wirtschaftsforschung („Behavioral Economics“).

Brown hatte eine Expertenkommission einberufen, die im März 2010 erste Vorschläge machte, was die Einsichten der Forscher für die Politik bringen können. Cameron macht jetzt nahtlos weiter. Er hat ein „Behavioral Insight Team“ einberufen, das direkt in Downing Street No. 10 arbeitet. Geleitet wird die siebenköpfige Truppe vom einstigen Labour-Berater David Halpern. Er ist überzeugt: „Es ist wichtig, dass die Regierungen dazulernen.“

Neuer Index als erster Schritt

Cameron gehört damit weltweit zu den Pionieren. Nirgendwo sonst wird das Potenzial, das „Behavioral Economics“ für die Wirtschaftspolitik bietet, so systematisch ausgelotet wie in London. So gehen Camerons Pläne über das hinaus, was der französische Präsident Nicolas Sarkozy vorhat und was neuerdings auch in Berlin diskutiert wird.

Sarkozy hatte 2009 erklärt, neben dem Bruttoinlandsprodukt auch andere Indikatoren wie die Lebenszufriedenheit der Einwohner zum Maßstab der Politik machen zu wollen. Der französische Präsident hat sich dabei unter anderem von den Nobelpreisträgern Joseph Stiglitz und Amartya Sen beraten lassen. Vor wenigen Wochen hat auch der Deutsche Bundestag beschlossen, eine Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ einzuberufen, die bis 2013 einen neuen Indikator zur Messung des Wohlstands entwickeln soll.

In Großbritannien soll es eher losgehen: Die Statistikbehörde des Landes soll voraussichtlich schon ab 2011 regelmäßig messen, wie zufrieden die Bewohner des Inselreichs sind. Bislang sei die Wirtschaftspolitik zu sehr auf materiellen Wohlstand und das Bruttoinlandsprodukt fixiert. „Wir messen die falsche Größe und tun das Falsche“, kritisiert Richard Layard, Professor an der London School of Economics. „Wenn wir die Lebenszufriedenheit messen, werden sich unsere politischen Prioritäten verschieben.“ Damit rechnet auch Andrew Oswald, Professor an der Warwick Business School: „Wenn man etwas messen kann, wird es für die Politik plötzlich wichtig.“

Doch die Pläne der Briten gehen auch weit über alternative Wohlstandsindikatoren hinaus. Dieser Index ist nur der erste Schritt – die Anwendung von Erkenntnissen der „Behavioral Economics“ in möglichst vielen Politikfeldern ist ein offizielles Regierungsziel, festgeschrieben im Koalitionsvertrag von Tories und Liberaldemokraten. Darin heißt es: Die neue Regierung wolle intelligente Wege finden, um den Menschen das Treffen besserer Entscheidungen zu ermöglichen.

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