
NEW YORK. Tauschhandel ist Mist. Das lernt der Held der Geschichte - ein etwa zwölfjähriger Junge - auf die harte Tour. Eine schicke Jeans möchte er haben - und bietet dem Verkäufer dafür eine von Vaters Krawatten an. Nachdem er abgeblitzt ist, versucht er es mit einem Hockeyschläger und dann mit seinem Ökonomie-Lehrbuch. "Du bist wohl nicht ganz richtig im Kopf", entgegnet der Verkäufer entgeistert.
So beginnt die "Story of Money", die Geschichte des Geldes, mit der in den USA seit Generationen Schüler unterrichtet werden. Das Besondere: Sie ist ein Comic und erzählt in kurzen Sprechblasen und witzigen Sequenzen, was Wirtschaft alles treibt. Herausgegeben wird die Bildergeschichte von einer Institution, die gemeinhin als viel zu würdevoll gilt, um Humor zu haben: der New Yorker Federal Reserve Bank, einer Zweigstelle der amerikanischen Notenbank.
Dabei ist nicht nur die Fed erfinderisch, wenn es darum geht, ökonomische Botschaften unters Volk zu bringen. Komplexe Themen leicht verständlich aufzuarbeiten gehört in den USA zum guten Ton. In Klassenzimmern und Hörsälen herrscht eine angebotsorientierte Auffassung von Pädagogik: Anders als in Deutschland gilt es als Versagen des Lehrers, wenn ein Schüler etwas nicht versteht. Damit das Lernen Spaß macht, setzen die Pädagogen auch unkonventionelle Materialien ein - und nichts eignet sich als Brücke so gut wie Humor. Das weiß selbst die ehrwürdige Notenbank.
Krise weckt Kreativität
Kurioserweise lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren, wer auf die Idee kam, Themen wie Inflation, Geldpolitik und die Funktion von Banken in bunten Heftchen aufzuarbeiten. Bei der Fed ist man der Ansicht, Ed Steinberg, ein früherer Kommunikationsdirektor und promovierter Ökonom, habe die Serie gestartet. Doch der erinnert sich, dass die Comics schon liefen, als er Anfang der 90er-Jahre in den Dienst der Notenbank trat. "Ich habe sie überarbeitet und ein paar neue erfunden", erinnert er sich. Insgesamt umfasst die Reihe heute zehn Hefte, die jährlich in Millionenauflage kostenlos versandt werden. Lehrer und Hochschulprofessoren verordnen sie als Pflichtlektüre, nicht nur im Fach Ökonomie: Beliebt ist ihr Einsatz auch in Kursen, die Englisch als Fremdsprache vermitteln.
Auch in akademischen Zirkeln liegt leicht Verdauliches im Trend. Forschungsergebnisse in Buchform so populär aufzuarbeiten, dass sie ein Bestseller werden, ist unter USÖkonomen so etwas wie ein Volkssport. "Wir Amerikaner sind uns eben nicht zu schade, eine Sache an den Mann zu bringen", sagt Russell Roberts, Ökonomieprofessor an der George Mason University in Fairfax, Virginia, und Research Fellow an der Hoover Institution in Stanford. Leicht ironisch setzt er hinzu: "Ihr Deutschen seid da vielleicht etwas vornehmer."
"The Story of Money" und andere Fed-Comics kann man übrigens hier runterladen: https://www.newyorkfed.org/publications/result.cfm?comics=1
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