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„Weissgarnix.de“-Blogger : „Wirtschaftspolitische Debatten langweilen mich“

Der 43-jährige Volks- und Betriebswirt Thomas Strobl hat dreieinhalb Jahre das erfolgreiche Blog „Weissgarnix.de“ betrieben. Anfang September hörte er auf. Warum, erzählte er Handelsblatt-Redakteur Olaf Storbeck.

Thomas Strobl, Jahrgang 1968, ist gebürtiger Österreicher und lebt in Hamburg. Der Ökonom, Manager und Publizist hat mit „www.weissgarnix.de“ bis September eines der bekanntesten deutschen Wirtschaftsblogs betrieben. Mit seinen Beiträgen im Feuilleton der FAZ löst er regelmäßig kontroverse Debatten aus. Zusammen mit Frank Schirrmacher hat Strobl den Band „Die Zukunft des Kapitalismus?“ (2010) herausgegeben. Quelle: Annette Clasen / dtv Verlag
Thomas Strobl, Jahrgang 1968, ist gebürtiger Österreicher und lebt in Hamburg. Der Ökonom, Manager und Publizist hat mit „www.weissgarnix.de“ bis September eines der bekanntesten deutschen Wirtschaftsblogs betrieben. Mit seinen Beiträgen im Feuilleton der FAZ löst er regelmäßig kontroverse Debatten aus. Zusammen mit Frank Schirrmacher hat Strobl den Band „Die Zukunft des Kapitalismus?“ (2010) herausgegeben. Quelle: Annette Clasen / dtv Verlag

LondonHandelsblatt:Herr Strobl, „Weissgarnix.de“ ist seit fast zwei Wochen offline. Fehlt Ihnen schon etwas?

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Thomas Strobl: Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich habe in den letzten drei Jahren das Interesse an Wirtschaftspolitik total verloren – und auch den Glauben an die Volkswirtschaftslehre insgesamt.

Warum das denn?

Die Debatte über tagesaktuelle, wirtschaftspolitische Fragen langweilt mich nur noch. Für jedes gute Argument gibt es ein mindestens genauso gutes Gegenargument. Was man am Ende für richtig hält, ist nur eine Frage der Ideologie. Ich glaube, es ist wirklich schon lange alles gesagt, und die Diskussionen drehen sich im Grunde nur noch im Kreis.

Ihre Leser haben das anders gesehen. Viele waren entsetzt, dass Sie aufhören.

Ich habe ehrlich nie richtig begriffen, was meine Leser wirklich interessiert, was sie wollen. Am Ende waren es immer die gleichen Leute, die mitdiskutiert haben.

Bekannt und beliebt waren unter anderem ihre Texte zur Dogmengeschichte in der Ökonomie – zum Beispiel ihre Analyse zu Hyman Minsky.

Ja, das hat mir eine Zeit lang großen Spaß gemacht. Mittlerweile glaube ich aber, dass Blogs dafür nicht das beste Medium sind.

Wo ist das Problem?
Lange Texte, tiefgehende Analysen kann man am Bildschirm einfach ziemlich schlecht lesen – das geht gedruckt auf Papier einfach besser. Da hat die Zeitung noch immer einen strukturellen Vorteil. Umgekehrt brauche ich für schnelle Gedanken, kurze Statements heute kein Blog mehr – die kann man über Dienste wie Twitter, Facebook und Google Plus viel besser verbreiten. Blogs sind da in einer Sandwich-Position. Ich glaube, dass sie ihre beste Zeit hinter sich haben. Das läuft sich tot.

Sie selbst haben vom Blog profitiert: Frank Schirrmacher holte sie als Autor zur „FAZ“, und ihr Buch „Ohne Schulden läuft nichts“ gäbe es doch wohl sonst nicht.

Das stimmt sicherlich. Gleichwohl waren das alles nur Freizeitprojekte, es ist nicht mein Ziel, meinen Lebensunterhalt mit „FAZ“-Artikeln oder Büchern zu verdienen. Für mich ist das Schreiben ein Hobby – ich mache das so, wie andere Leute Golf spielen gehen.

Wie sind Sie zum Bloggen gekommen?

Ich hatte ein Faible für Wirtschaftsthemen und habe zwischen 2003 und 2008 in verschiedenen liberalen Webforen diskutiert. Dort waren mir aber irgendwann zu viele Verschwörungstheoretiker unterwegs – deshalb habe ich gedacht: Ich mache mein eigenes Blog auf. Ein paar Monate später kam die Lehman-Pleite, und die Zugriffszahlen schossen in die Höhe.

Sie haben sich auch bei Twitter und Facebook abgemeldet. Verabschieden Sie sich komplett aus dem Netz?

Nein, ich setze voll auf Google Plus, das soziale Netzwerk von Google. Das ist für mich aktuell das Nonplusultra. Wenn es sich so weiterentwickelt, verdrängt es die anderen Plattformen. Außerdem blogge ich auf FAZ.net – aber nicht über Wirtschaftspolitik, die ist einfach nicht mehr spannend.

  • 21.09.2011, 21:54 UhrAnonymer Benutzer: hhirschel

    Trotzdem Schade, wollte nach zwei Jahrenmal wieder um die Ecke gucken um zu hören, wieso wir Linken jetzt doch recht haben ;-).

    Gruß hhirschel

  • 20.09.2011, 09:54 UhrAnonymer Benutzer: f.luebberding

    Was die Lesbarkeit betrifft: es gibt Drucker.

  • 18.09.2011, 22:59 UhrAnonymer Benutzer: Stephan

    Ha! Gute Antworten von Thomas Strobl auf komische Fragen. Also ich kann sein Desinteresse an VWL wegen der Euro-Debatte mittlerweile völlig nachvollziehen.

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