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Wirtschafts-Nobelpreis: Ökonomen entschlüsseln die Kosten des Suchens

Die Erforschung eines Alltagsphänomens bringt drei Volkswirte ins internationale Rampenlicht. Sie befassten sich mit dem Phänomen des Suchens. Besonders hoch ist die Bedeutung der Suchtheorie auf den Arbeitsmärkten.

von D. Heß, H. Steuer und O. Storbeck
Nobelpreis-Medaille: Besonders hoch ist die Bedeutung der Suchtheorie auf den Arbeitsmärkten. Quelle: dpa
Nobelpreis-Medaille: Besonders hoch ist die Bedeutung der Suchtheorie auf den Arbeitsmärkten. Quelle: dpa

FRANKFURT/STOCKHOLM/LONDON. Im amerikanischen Senat hatte der Mann keine Chance: Im August lehnten die Republikaner die Berufung des MIT-Professors Peter Diamond in den Vorstand der US-Notenbank Federal Reserve ab. Der 70-Jährige, so die Begründung, verfüge "nicht über die richtige Art von Erfahrung".

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Ein anderes Gremium konnte Diamond jetzt dagegen rückhaltlos von sich überzeugen: das Stockholmer Auswahlkomitee für den Ökonomie-Nobelpreis. Zusammen mit seinen Forscherkollegen Dale Mortensen (71, Northwestern University) und Christopher Pissarides (62, London School of Economics) erhält der Amerikaner in diesem Jahr den mit Abstand renommiertesten Ökonomenpreis der Welt.

Die drei Forscher waren die ersten, die die volkwirtschaftlichen Effekte eines lästigen Alltagsphänomens untersucht haben - das des Suchens. Es vergeht oft viel Zeit, bis ein Unternehmen das passende Personal gefunden hat, ein Universitätsabsolvent den richtigen Job oder ein Immobilienkäufer das perfekte Haus. Ökonomen hatten das Suchen und Finden jedoch lange für irrelevant gehalten und es in ihren Modellen daher ausgeblendet. Sie unterstellten, dass sich Angebot und Nachfrage quasi automatisch finden und flexible Preise sie ins Gleichgewicht bringen.

Diamond, Mortensen und Pissarides haben in einer ganzen Reihe von Arbeiten jedoch gezeigt: Wenn die Suche nach dem richtigen Produkt oder Personal auf einem Markt mit Kosten verbunden ist, funktioniert das freie Spiel von Angebot und Nachfrage längst nicht so gut, wie es die traditionellen theoretischen Modelle nahelegen: Oft sind die Preise höher, ist das Angebot geringer, und das Marktergebnis ist weniger stabil. "In einer Welt mit Suchkosten kann es mitunter verschiedene mögliche Marktergebnisse geben", heißt es in der Begründung der Schwedischen Akademie der Wissenschaften.

Im ersten Moment mag das abstrakt klingen. Tatsächlich ist es höchst relevant für die praktische Wirtschaftspolitik. Denn wenn die berühmte "unsichtbare Hand des Marktes" doch nicht unfehlbar ist, können staatliche Eingriffe in das Spiel von Angebot und Nachfrage mitunter mehr Nutzen als Schaden anrichten. Liberale Ökonomen, die in der Tradition Milton Friedmans stehen, bezweifeln das dagegen.

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