
ChicagoFrederic Mishkin, Professor an der Columbia Business School und einer der international angesehensten Makroökonomen, war 2006 voll des Lobes für den Finanzplatz Island: Das Bankensystem sei stabil, die Finanzaufsicht gut und die ökonomischen Fundamentaldaten solide, schrieb er in einem Bericht mit dem Titel „Financial Stability in Iceland“. Eine Information aber suchten die Leser darin vergeblich: Für dieses aus heutiger Sicht peinliche Urteil hatte die isländische Handelskammer Mishkin 124.000 Dollar gezahlt.
Wenn es nach der American Economic Association (AEA) geht, sind solche verdeckten Zahlungen in Zukunft nicht mehr möglich. Anfang Januar hat die wichtigste Ökonomenvereinigung der Welt erstmals Ethikrichtlinien für ihr Fach beschlossen. Volkswirte müssen mögliche Interessenkonflikte künftig offenlegen.
Die Regeln, die im Laufe des Jahres in Kraft treten, verlangen Ökonomen einiges ab. Wer eine Studie in einer von der AEA herausgegebenen Fachzeitschrift veröffentlichen will, muss vorab erklären, ob und von wem diese Studie finanziell unterstützt wurde. Zudem muss jeder Autor offenbaren, ob er in den vergangenen drei Jahren als Berater für Organisationen gearbeitet hat, die ein Interesse an den Forschungsergebnissen haben – wenn die dabei verdienten Honorare höher ausfielen als 10.000 Dollar.
Da die AEA mit der „American Economic Review“ eine der fünf weltweit einflussreichsten Fachzeitschriften veröffentlicht, haben die neuen Regeln große Signalwirkung für das Fach. Zudem fordert die AEA nicht nur ihre 17.000 Mitglieder, sondern alle Ökonomen auf, die gleichen Prinzipien anzuwenden – nicht nur in anderen Fachzeitschriften, sondern auch bei Gastbeiträgen für Zeitungen und bei Fernsehauftritten.
„Wir erleben eine Ära, in der sich die Normen in unserem Fach mit Blick auf die Offenlegung von Interessenkonflikten grundlegend ändern“, sagt George DeMartino, Professor an der University of Denver und Autor des Buchs „The Economist’s Oath“.
Ich fürchte allerdings, dass allein eine Offenlegung nicht viel bringt. Wäre Mishkins Gutachten kritischer aufgenommen worden, hätte man gewusst, dass es von der isländischen Handelskammer finanziert wurde? Wahrscheinlich war es eh in dieser Zeit das einzige umfassende Gutachten zu dem Thema.
Bei der isländischen Handelskammer kann man sich zudem schnell vorstellen, welche Interessen sie verfolgen. Bei vielen anderen Geldgebern ist das aber erst einmal ein Rätsel, das durch ihre bloße Nennung nicht gelöst wird.
Es wäre zu wünschen, dass man endlich die Abkehr vom Keynesianismus schafft und sich der Österreichischen Schule (v. Mises, Hayek usw.) zuwendet. Dies ist der mit Abstand realistischste Zugang zur Ökonomie, den es gibt.
Ethikrichtlinien
Man muss inzwischen alles regeln, sogar die Ehrlichkeit. Es gibt zu viele Verantwortungsträger, die ihren Job auf Biegen und Brechen zu Geld machen wollen. Von der Politik bis zu den Banken.
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