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Wirtschaftswissenschaften: Ökonomen unbelehrbar

Seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise wird an allen Stellen reformiert – nur nicht bei den Ökonomen. Immer mehr Vertreter des Fachs rufen jetzt nach einer Reform überholter Ausbildungsinhalte. Aber was gehört dazu?

Uni-Vorlesung: Was sollen Studenten der Wirtschaftswissenschaften lernen? Quelle: dpa
Uni-Vorlesung: Was sollen Studenten der Wirtschaftswissenschaften lernen? Quelle: dpa

LondonDer Titel des Buchs ist eine einzige Provokation. „What's the Use of Economics?“ lautet die bohrende Frage auf dem Titel. Welchen Nutzen hat Volkswirtschaftslehre (VWL)? Und wenn sie einen hat - wie sollte er Studenten an den Unis vermittelt werden?

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„Wir wollen mit dem Titel ganz bewusst ein bisschen sticheln“, sagt die Herausgeberin des Werkes, die britische Ökonomin Diane Coyle, die die Beratungsfirma Enlightenment Economics leitet.

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Die Finanzkrise habe fundamentale Schwächen in der modernen Makroökonomie offen- gelegt, sagt Coyle - in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sei dies aber auch fünf Jahre nach Beginn der Krise kein Thema. „Das ist unglaublich und nicht zu entschuldigen." Mit ihrer Provokation hofft sie, ihre Kollegen endlich wachrütteln zu können.

Die größte Finanz- und Wirtschaftskrise ist seit ihrem Beginn im Sommer 2007 auch eine Krise der Wirtschaftswissenschaft. Vor allem die moderne Makroökonomie ist massiv in die Kritik geraten - wäre es nach den Modellen gegangen, die in der Disziplin Standard sind, hätte es die Krise gar nicht geben können.

Aktuelle Forschung

Auf zahlreichen Kongressen und Diskussionsrunden zerbrechen sich Ökonomen seit Jahren den Kopf, welche Theorien über Bord gehören und was sich in der Forschung ändern muss.

Reformen in der Ausbildung von Nachwuchsökonomen sind bislang aber bestenfalls am Rande ein Thema - dabei ist das Interesse der Studienanfänger an VWL durch die Krise massiv gestiegen.

„Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir unsere Glaubwürdigkeit verlieren“, warnt Alison Wride, Professorin an der Swansea University, eine von Coyles Koautoren. Insgesamt 24 hochkarätige Wissenschaftler - darunter Professoren der Elite-Universitäten Harvard, Princeton und MIT sowie Führungspersonal der Bank of England - machen sich in dem neuen Sammelband Gedanken über die Ökonomenausbildung der Zukunft.

  • 17.02.2013, 15:54 Uhrloboandiamo

    Das Problem der Wirtschaftswissenschaften ist die vermeindliche Exaktheit, d.h. durch die Verwendung mathematischer Modelle und unter Zuhilfenahme einiger Gedanken aus der Physik entsteht der Eindruck, dass man hier ueber empirische Wahrheiten spricht. Dem ist aber nicht so. Es handelt sich haeufig um ideologische Grundannahmen, die in die Modelle einfliessen "rationales Verhalten etc." die durch die "Ceteres Paribus Klausel" in die Dunkelheit verbannt werden, ohne dass der Student jemals solche Grundannahmen wahrnimmt, die er einer kritischen Pruefung zu unterziehen in der Lage sein sollte. In den Siebziger Jahren war dies einmal diskutiert aber dann spaeter verdraengt worden. Hans Albert aus Mannheim hat die oekonomische Modellspielerei "Modellplatonismus" genannt. Man kann gar nicht oft genug wiederholen, wie Recht er damit hatt.

  • 17.02.2013, 01:35 Uhrchampus

    @netshadow
    Eine vortreffliche Analyse der ich voll zustimme!

    Die ökonoischen Modelle als Analye- und Optimierungstools helfen wenig, wenn die Akteure an den Schalthebeln der Macht die Ethik über Bord geworfen haben und sich an keine Abmachungen und Verträge mehr halten.

    Vielleicht waren aber auch die Konstrukteure dieser Verträge zu „blauäugig“ indem sie an die Wirksamkeit ihrer Klauseln glaubten.

    Die Komplexität wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturen hat die Grenzen des intuitiven, mentalen Erfassens weit hinter sich gelassen. Dieser Zustand begünstigt leider Kräfte, die für ihre Handlungen das „Licht“ scheuen und im „Dunkeln“ zu ihrem eigenen Vorteil agieren. Deshalb ist verständlich, dass große Teile des Systems von der Fäulnis der Korroption befallen und käuflich sind.

    Wo es Leute wie Henry Ford nicht mehr gibt, brauchen wir wieder dringend eine „countervailing power“. Akteure, die sich nicht „einkaufen“ lassen und die Interessen der Wähler und insbesondere der Arbeitnehmer engagiert vertreten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gegenmacht

  • 16.02.2013, 16:10 Uhrhanwufu

    Sie haben mich missverstanden, weil ich mich wohl missverständlich ausgedrückt habe.

    ich verdiene meine Brötchen damit mir math. Modelle im Bereich des Risikomanagement auszudenken und zu programmieren. Ich habe das Glück in zwei Modellwelten zu arbeiten:
    (1) das regulatorische Eigenkapital wo es niemals genannte Ziel Modelle zu implementieren und zu kalibrieren, die möglichst wenig Eigenkapitalbedarf ergeben, was dann der Aufsicht gezeigt wird. Das ist wie Schule: Ist alles korrekt? Ja! Macht das alles Sinn? Ist doch egal!
    (2) das echte Risikomanagement, wo Modelle ständig neu- und weiterentwickelt werden, wo man wirklich seinen Kopf benutzt, um zu erkennen wie und wo man einen Haufen Geld verlieren kann. Das ist wie wissenschatliches Arbeiten (Nur man publiziert nichts)

    Ich habe ein wenig Glück, weil mein Arbeitgeber irgendwann mal (vor meiner Zeit) erkannt hat dass zwischen (1) und (2) ein Unterschied existiert. Manchmal lästern wir auch ein bisschen: "Seit der GFC wissen wir, dass Regulierungsmodelle doch ökonomisch Sinn... um Fire Sale Gefahren zu erkennen..."

    Ich wollte mit meinen Kommentar nur deutlich machen, dass Marktteilnehmer, die sich auf Regulierungsmodelle in ihren Risikomanagement verlassen, sich diese Budget auch komplett sparen können. Denn ob sie nun mit Regulierungsmodellen oder komplett ohne Risikomanagement über den Jordan gehen beim nächsten Beben, ändert ja nichts am Ziel der Reise. Ich bin dafür dass Regulierungsmodelle komplett abgeschafft werden, und jeder Marktteilnehmer selber zu sieht wie er mit seinen Rsiken umgeht. Das heißt aber auch, dass man Marktteilnehmer pleite gehen lassen muss, ohne Ausnahme. Kapitalismus ohne Insolvenz bzw. "Ausfall geschöpften Geldes" kann nicht funktionieren (das ist bspw. unvereinbar mit Konjunkturzyklen).

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