_

Wissenswert: Wie wichtig ist das Charisma von Führungskräften?

Ökonomen können jetzt erstmals zeigen: Der Einfluss eloquenter Entscheider endet nicht am Werkstor. Reißt ein neuer Chef seine Mannschaft mit, kann die Motivation der Beschäftigten stark steigen. Das Charisma eines Chefs hat zudem nachhaltigen Einfluss auf Wertpapieranalysten.

Der König des Charisma: Apple-CEO Steve Jobs. Quelle: dpa
Der König des Charisma: Apple-CEO Steve Jobs. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Kommt ein neuer Chef ins Unternehmen, dann sortieren sich die Truppen in der Firma neu: Schließlich hängen Familienexistenzen davon ab, ob Mitarbeiter auch im neuen Regime ihren Arbeitsplatz behalten oder nicht. Reißt der neue Chef seine Mannschaft mit, kann die Motivation der Beschäftigten stark steigen, haben zahlreiche Studien von Organisationswissenschaftlern belegt.

Anzeige

Doch wie weit reicht sein Einfluss? Drei Ökonomen können nun erstmals zeigen: Das Herrschaftsgebiet von Chefs endet nicht mit dem Firmengelände. Im Gegenteil: Das Charisma eines Chefs hat nachhaltigen Einfluss auf Wertpapieranalysten. Das können die Wissenschaftler Angelo Fanelli von der Pariser Business School HEC, Vilmos Misangiy von der Pennsylvania State University und Henry L. Tosi vom Warrington College in Florida jetzt in einer aufwendigen Studie empirisch belegen.

Gefahr falscher Empfehlungen

Anders als Mitarbeiter unterliegen Analysten keinen Weisungsbefugnissen der Vorstandschefs der Unternehmen, die sie professionell beobachten. Sie sind als Intermediäre auf dem Finanzmarkt ihren eigenen Arbeitgebern und ihren Kunden, den Aktionären, verpflichtet. Die drei Ökonomen untersuchen, wie die Zukunftspläne der Führungskräfte von den zuständigen Analysten aufgenommen werden: Lassen sich die Finanzmarktprofis von visionären Statements der Topmanager beeindrucken? Und liegen die Analysten häufiger falsch, weil sie sich zu sehr von charismatischen Firmenchefs blenden lassen?

Um diese Fragen zu beantworten, haben die Forscher Aktionärsbriefe von fast 400 US-Unternehmen aus 30 Branchen in einem Zeitraum von rund zehn Jahren ausgewertet - alles Firmen, die kurz vorher einen neuen Vorstandschef bekommen haben. Ein neuer Chef, so das Kalkül der Wissenschaftler, fängt in der Regel bei null an. In seinem ersten Statement an die Aktionäre werde er mit hoher Wahrscheinlichkeit den Status quo analysieren und seine Visionen für die Zukunft des Unternehmens präsentieren.

In einer mühevollen Textanalyse werteten die Forscher den Inhalt der Aktionärsbriefe aus. Waren die Statements visionär, positiv und mitreißend oder eher pessimistisch, negativ und dröge? Der Charakter einer Führungskraft, so haben die Wissenschaftler in anderen Studien festgestellt, beeinflusst spürbar, wie er mit seinen Aktionären kommuniziert.

  • 16.06.2010, 17:13 UhrAnonymer Benutzer: Cornelia Heinz

    Wie das Handelsblatt berichtet, können Ökonomen jetzt erstmals zeigen: Der Einfluss eloquenter Entscheider endet nicht am Werkstor. Reißt ein neuer Chef seine Mannschaft mit, kann die Motivation der beschäftigten stark steigen. ...

  • 07.06.2010, 14:45 UhrAnonymer Benutzer: Horst George Balonier, Pfungstadt

    Charisma und Sozialkompetenz sind häufig beschriebene begrifflichkeiten und werden meist von den Managern
    gewünscht, deren Mitarbeiter keine klare Vorstellung
    davon haben, was damit gemeint ist. Das stelle ich
    bei 85% von befragten Mitarbeitern/innen fest.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International