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Yale-Ökonom: Robert Shiller: „Wir brauchen mehr Stimulus“

exklusiv Der renommierte Yale-Ökonom Robert Shiller warnt im Handelsblatt-Interview vor einer langen Durststrecke der US-Wirtschaft, vor wachsenden sozialen Spannungen und fordert Deutschland zu einer expansiveren Fiskalpolitik auf.

Robert Shiller ist besorgter als so manch anderer Wissenschaftler. Quelle: Michael Marsland-Yale University
Robert Shiller ist besorgter als so manch anderer Wissenschaftler. Quelle: Michael Marsland-Yale University

Professor Shiller, der führende US-Mittelstandsfinanzierer CIT steht vor dem Konkurs, aber die Börsen ignorieren den Fall bisher. Haben sich Investoren nach all den Wall-Street-Turbulenzen an große Pleiten gewöhnt?

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Wir sehen den ersten großen Schock seit dem Konkurs von Lehman Brothers, und das treibt mich um. Lehman war ein großes Rätsel, weil die Finanzbranche über so viele Wege miteinander verbunden ist, die wir nicht verstehen.

Weshalb sind Sie so besorgt? Offenbar rechnet weder Washington noch die Wall Street damit, dass CIT große Folgeschäden im Finanzsystem anrichten könnte.

Zuletzt haben "Green Shoots" die Nachrichten regiert, also Hoffnungen auf eine Erholung der Wirtschaft. Ein konkretes Ereignis wie der Konkurs von CIT wäre in der Lage, dieses Vertrauen zu zerstören. Viele Faktoren tragen dazu bei, dass Menschen ein Gefühl von Optimismus verbreiten, dazu gehört auch das Ausbleiben von Angst-Storys. Meine Sorge ist, dass CIT in die nächste Angst-Story mündet.

Im zweiten Jahr der Krise scheint das Finanzsystem stabilisiert, aber weite Teile der Realwirtschaft sind schwer getroffen. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um die Lage weiter zu beruhigen?

Was an erster Stelle zählt, ist aktive Fiskalpolitik. Wir benötigen rasche und quantitativ starke fiskalische Anreize. Die Regierungen verstehen das - na ja, teilweise. Das ist ein Grund, weshalb wir nicht in einer großen Depression gelandet sind. Wir haben das weitgehend verhindern können, wenn auch noch nicht vollständig.

Nobelpreisträger Paul Krugman hat der deutschen Regierung vor Monaten "Dummheit" bei der Bekämpfung der Rezession vorgeworfen. Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement in Deutschland?

Mein Eindruck ist, dass das Stimulusprogramm der deutschen Regierung schwach war. Zwar ist auch in Amerika das Geld aus dem Konjunkturpaket nicht ohne Verzögerungen geflossen. Aber es hat immerhin die Zuversicht gestärkt; die USA sind in dieser Hinsicht aktiver ...

... aber nur auf Kosten horrender Schulden.

Die Debatte, ob sich Nationen verschulden sollen, um sich aus einer Rezession zu befreien, ist uralt. Keynes riet zu einer expansiven Fiskalpolitik, und die Große Depression hat warnend die Folgen aufgezeigt, wenn nicht genügend in dieser Hinsicht unternommen wird. Es geht in der Diskussion auch um deutsche Werte, und Deutschland macht sich da wohl mehr Sorgen als jedes andere Land. Das Problem ist: Nationen, die nicht gewillt sind, ihre Wirtschaft zu stimulieren, werden sich nur schwer von dieser Weltkrise erholen können.

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