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Interview: „Der Kulturschock war nicht so groß“

Der Volkswirt Rüdiger Bachmann ging vor zehn Jahren in die USA. Nach Promotion und Assistenzprofessur ist er nun zurück in Deutschland: als VWL-Professor in Aachen. Ein Gespräch über die Erfahrungen des Rückkehrers.

Rüdiger Bachmann ist seit Frühjahr VWL-Professor in Aachen. Quelle: PR
Rüdiger Bachmann ist seit Frühjahr VWL-Professor in Aachen. Quelle: PR

AachenHandelsblatt: Herr Bachmann, haben Sie sich vom Kulturschock nach Ihrer Rückkehr schon erholt?

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Rüdiger Bachmann: Ach, der Kulturschock war gar nicht so groß, wie viele Leute denken. Ungewohnt ist, dass ich mich hier um viele organisatorische Dinge selbst kümmern muss.

Sie müssen Ihr Königreich, den Lehrstuhl, verwalten...

An US-Unis gibt es keine Lehrstühle. Alle Professoren und Assistenzprofessoren sind in einem Department organisiert. Mit organisatorischen Fragen haben Sie da als Professor sehr wenig am Hut. Hier muss ich jeden Beschaffungsantrag persönlich unterschreiben - das sind oft nur Kleinigkeiten, aber das addiert sich. Aber manches ist hier auch besser als in den Staaten.

Was denn?

Die Studenten bringen hier deutlich bessere Vorkenntnisse mit und sind wesentlich motivierter als in den USA. Denen muss ich nicht erst erklären, was eine Standardabweichung ist oder wie Differenzialrechnung funktioniert. Das deutsche Abitur ist eben doch was wert, und Aachen zieht gute Studenten an. Das macht wirklich Spaß, mit denen zu arbeiten. Wenn man denen allerdings mit englischen Texten kommt, gibt es einen Aufschrei. Das hat mich schon ziemlich gewundert.

Für Wirtschaftswissenschaften ist die RWTH Aachen bislang allerdings nicht gerade berühmt.

Wir bilden Wirtschaftsingenieure aus - und haben darin auch einen sehr guten Ruf.

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Aber die VWL-Abteilung in Aachen ist winzig. Ist es nicht ein Nachteil, dass es weniger Kollegen gibt, mit denen man sich austauschen kann?

Natürlich wäre es besser, von 50 Kollegen umgeben zu sein und nicht nur von drei oder vier. Aber wir wollen ja noch ein bisschen wachsen in Aachen. Außerdem behalte ich ja meine Kontakte und mein Netzwerk von Co-Autoren. In den nächsten Jahren werde ich herausfinden, wie wichtig räumliche Nähe im Internetzeitalter noch ist. Aber zugegeben: Das ist ein Experiment.

Aber hat man es als Volkswirt an einer Ingenieurshochschule nicht per se schwer?

Nicht unbedingt. Schauen Sie sich die US-Business-Schools an. Deren eigentlicher Fokus liegt auch nicht auf der VWL. Trotzdem findet man einige der besten VWL-Fachbereiche in den USA an Business-Schools. Warum soll solch ein Modell nicht auch in Deutschland möglich sein? Wir wollen hier auf jeden Fall auch ein VWL-Doktorandenprogramm aufbauen.

Können deutsche Unis denn beim Geld und der Bezahlung mit US-Hochschulen mithalten?

Aachen auf jeden Fall. Die Gehälter hier sind international wettbewerbsfähig - die RWTH legt Wert auf gute Forschung und weiß, dass das Geld kostet. Meine Rückkehr nach Deutschland wird zudem von der German Scholar Organization und der Marie-Curie-Stiftung finanziell unterstützt. Ich kann mich finanziell nicht beklagen, vor allem wenn man die reale Kaufkraft und die Lebensqualität berücksichtigt.

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