Ökonomie

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Wissenswert: Satelliten sollen Wirtschaftskraft messen

Wie stark eine Industrie wächst, wollen amerikanische Ökonomen künftig mit Satelliten erforschen. Kein Witz: Die Helligkeit in Ländern bei Nacht könnte ein neuer Indikator für die Wirtschaftskraft eines Landes werden.

Satelliten, wie dieser in einer Computeranimation der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, sollen künftig auch die Wirtschaftskraft eines Landes messen können. Quelle: AFP
Satelliten, wie dieser in einer Computeranimation der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, sollen künftig auch die Wirtschaftskraft eines Landes messen können. Quelle: AFP

DüsseldorfDas Durchschnittseinkommen der Menschen in Ruanda lag im Jahr 2005 bei umgerechnet 1 400 Dollar. So stand es jedenfalls lange Zeit in der Datensammlung der Weltbank. Doch nachdem die Statistiker in New York kürzlich ihre Tabellen überarbeiteten, stand da ein anderer Wert: 800 Dollar. Die Wirtschaftsforscher hatten sich also um mehr als 40 Prozent verschätzt. Ähnliches passierte mit Mosambik, Uganda, Burundi und einigen anderen Ländern.

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Schuld daran ist nicht die Weltbank, sondern die schlechte Qualität der nationalen Statistiken. Vor allem bei afrikanischen Ländern sind Aussagen zu Wirtschaftskraft und Wachstum oft nicht mehr als Kaffeesatzleserei. Weil ein großer Teil des Wirtschaftslebens unbemerkt von den Behörden stattfindet, gibt es oft keine verlässlichen Rohdaten - keine Firmenstatistiken, keine Arbeitsmarktdaten, oft nicht einmal gute Bevölkerungszahlen.

Eine neue Möglichkeit, bessere Statistiken für die ärmsten Länder der Erde zu bekommen, haben jetzt die US-Ökonomen Vernon Henderson, Adam Storeygard und David Weil entwickelt. Die Forscher der Brown University schlagen vor, Satellitenaufnahmen zu nutzen, die die Helligkeit eines Landes bei Nacht messen.

Aktuelle Forschung

„Der Konsum fast aller Güter benötigt künstliches Licht“, argumentieren die Forscher. Fabriken, Bürohäuser, Flughäfen, Freizeitparks - alles strahle umso heller, je mehr dort los sei. Nimmt die Wirtschaft Fahrt auf, sieht man das vom Orbit aus, so die Idee.

Was auf den ersten Blick äußerst skurril anmutet, hat die Ökonomenszene inzwischen überzeugt: Das Forschungspapier ist jüngst in der „American Economic Review“ erschienen, einer der weltweit renommiertesten VWL-Fachzeitschriften.

Der große Vorteil dieses Ansatzes ist, dass die entsprechenden Daten in hoher Qualität verfügbar sind. Seit den 70er-Jahren machen Wettersatelliten der US-Luftwaffe täglich Aufnahmen der Erde. Für jeden Quadratkilometer der Erde speichern sie feine Helligkeitswerte auf einer Skala zwischen 0 und 63 ab.

Zwar lässt sich mit den Helligkeitswerten nicht ergründen, wie hoch das absolute Wohlstandsniveau eines Landes ist - so sind die dünn besiedelten USA im Schnitt deutlich dunkler als das arme Bangladesch, wo viel mehr Menschen auf einem Quadratkilometer wohnen. Was sie aber messen können, ist die Veränderung der Helligkeit über die Zeit - also das Wachstum einer Volkswirtschaft. Henderson, Storeygard und Weil zeigen, dass die Veränderungen der Lichtintensität eng mit den gemeldeten Wachstumszahlen zusammenhängen. Auf diese Weise konnten sie auch feststellen, um wie viel heller ein Land im Schnitt wird, dessen Wirtschaft um ein Prozent wächst - eine wertvolle Information, um den Wahrheitsgehalt der offiziellen Statistiken zu überprüfen. Besonders die Wachstumszahlen von Myanmar, Angola und Nigeria scheinen demnach viel zu hoch gewesen zu sein.

Für die Zukunft schlagen die Forscher vor, einen Durchschnittswert aus den offiziellen Wachstumsdaten und den Lichtschätzungen zu nutzen. Vor allem für internationale Organisationen wie die Weltbank sei die Methodik interessant: Sie könnten die Daten nutzen, um die nationalen Statistiken zu prüfen.

  • 07.07.2012, 01:36 Uhrinkompetentedozentin

    Furzenzähler Satellit fehlt noch.Da gibt es Milliarden wachsende Bäumen aus Afrika und Milliarden Kilometer entfernte Gold Galaxie.
    Eine Satelliten gesteuerte globale Biogasanlage und Stromversorgung ist gesichert.

  • 03.07.2012, 10:19 UhrKrosis

    Hmmm,
    so witzig/abwegig diese Idee auch erscheinen mag,
    viele verstehen offenbar nicht das in der Realität zwischen den skurrilsten Dingen Zusammenhänge bestehen (können).
    Bestes Beispiel ist das Urteil des obersten Bundesgerichts der USA im Jahre 1973 über das Thema Abtreibungen und die Theorie über einen Rückgang der Kriminalrate in den 90er Jahren.

    Ich kann deswegen Pauschalablehnungen wie von "Rechner" überhaupt nicht nachvollziehen....
    Es gibt genug skurille, unwahrscheinliche und komische Sachen die trotzdem irgendwie argumentativ nachvollziehbar sind oder schlichtweg stimmen.

  • 01.07.2012, 20:27 UhrRechner

    So dämlich können wirklich nur Yankees sein.

    Wer die Nacht zum Tage macht zeigt damit Unvernunft und Mißachtung der menschlichen Natur.

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