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Basel III-Auflagen: Das Eigenkapital-Märchen

Die Banken sollen künftig mehr Eigenkapital halten, das sehen die neuen "Basel III"-Regeln vor. Darüber jammert die Finanzindustrie. Volkswirte nehmen ihnen nun den Wind aus den Segeln: Sie fordern noch strengere Auflagen für Banken und machen sich keine Sorgen um die Folgen für die Weltwirtschaft.

Strengere Eigenkapitalregeln schaden der Wirtschaft nicht, sagen Volkswirte. (Illustration: Klaus Meinhardt) Quelle: Klaus Meinhardt für Handelsblatt
Strengere Eigenkapitalregeln schaden der Wirtschaft nicht, sagen Volkswirte. (Illustration: Klaus Meinhardt) Quelle: Klaus Meinhardt für Handelsblatt

LONDON. Sie kommen wahrscheinlich mit einem blauen Auge davon. Basel III, die neuen, strengeren Eigenkapitalregeln, ist für Banken nur halb so schlimm wie zunächst befürchtet. So zumindest haben die Finanzmärkte die Einigung Mitte September interpretiert: Rund um den Globus reagierten die Finanzaktien mit stattlichen Kursgewinnen auf den Kompromiss.

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Was die Märkte bejubelten, ärgert Volkswirte - viele kritisieren die Einigung als zu lasch. Wenn die Staats- und Regierungschefs der G20 die neuen Regeln im November wie geplant ratifizieren, machen sie den Finanzsektor nicht sonderlich stabiler, fürchten Forscher.

Ursprünglich hatte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht weit strengere Auflagen ins Auge gefasst. Doch über Monate waren die Lobbyisten der Finanzbranche dagegen Sturm gelaufen.

Ihr Hauptargument lautete stets: Wer die Banken zu eng an die Kette lege, schade der Gesamtwirtschaft - weil die Geldhäuser dann weniger Kredite vergeben könnten. "Das", warnte Andreas Treichl, Chef der österreichischen Erste Bank Group, "wird eine Rezession auslösen, die die letzte Krise wie ein Schlaraffenland aussehen lassen wird." Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sah weltweit fast zehn Millionen Arbeitsplätze in Gefahr.

Forscher entlarven trügerische Grundannahmen

Dass die Betroffenen tendenziell übertreiben, liegt auf der Hand. Eine hochkarätig besetzte Forschergruppe hat sich dennoch die Mühe gemacht, die Argumente, die Banken gegen strenge Eigenkapital-Vorschriften anführen, genau zu hinterfragen.

Die Wissenschaftler der Stanford University und des Bonner Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern fällen ein vernichtendes Urteil: "Die Argumente der Banken fußen entweder auf trügerischen Grundannahmen, auf einer Verwechselung zwischen privaten und gesamtwirtschaftlichen Kosten oder auf Modellen, die aus theoretischer genauso wie aus empirischer Perspektive mangelhaft sind."

Keine Wachstumsbremse, keine Kreditklemme

Beispiel: Basel III als Wachstumsbremse. Die Analyse zeigt, dass sich "Bankenaufseher keine übermäßigen Sorgen machen müssen, dass eine substanzielle Erhöhung der Eigenkapital-Anforderungen deutliche negative Folgen für Wirtschaft und Wachstum hat", schreibt die Forschergruppe, zu der unter anderem der Bonner Ökonom Martin Hellwig gehört. Der Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts und ehemalige Chef der Monopolkommission ist einer der international renommiertesten deutschen Ökonomen.

Beispiel: Basel III als Ursache für eine Kreditklemme. Strengere Eigenkapitalvorschriften würden das Finanzsystem nicht nur stabiler machen, argumentieren die Forscher. Geldinstitute würden dann auch ihre volkswirtschaftliche Funktion, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen, besser erfüllen - "weil sie weniger Anreize hätten, übermäßige Risiken einzugehen", heißt es in der Studie mit dem Titel "Fallacies, Irrelevant Facts, and Myths in the Discussion of Capital Regulation: Why Bank Equity is Not Expensive".

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