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"Bretton Woods II": Was die Welt wirklich ins Verderben stürzt

Jahrelang haben Ökonomen davor gewarnt, die massiven globalen Ungleichgewichte würden die Welt früher oder später ins Verderben stürzen. Gibt ihnen die Weltwirtschaftskrise recht? Drei Ökonomen untersuchen diese Frage in einer neuen Studie - und kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Wer zerstört was und warum? Die Frage ist nicht mehr eindeutig zu beantworten. Quelle: dpa
Wer zerstört was und warum? Die Frage ist nicht mehr eindeutig zu beantworten. Quelle: dpa

Die Vorhersage war, dass die Sonne explodieren und die Erde zerstören würde. Tatsächlich aber hat ein Asteroid den Planeten zerstört, die Sonne scheint unbeirrt weiter. Nun wird der Einschlag des Asteroiden mit der Anziehungskraft der Sonne erklärt."

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Dieses Gleichnis stammt aus der Feder von drei Ökonomen - von David Folkerts-Landau, Peter Garber (beide: Deutsche Bank) und Michael Dooley von der University of California, Santa Cruz. Die drei machen sich damit in einer neuen Studie über Kollegen lustig - über all jene Ökonomen, die jahrelang warnten, die Defizite im US-Außenhandel würden die Welt in eine Katastrophe führen, und die sich durch die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise bestätigt sehen.

Folkerts-Landau, Garber und Dooley dagegen vertreten seit Jahren eine ganz andere These. Sie halten die Handelsungleichgewichte für ungefährlich - weil sie die Folge eines stabilen währungspolitischen Arrangements zwischen den USA und Asien seien. Dieses habe viele Parallelen zum Festkurs-System von Bretton Woods, das vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1973 existierte. Folkerts-Landau, Garber und Dooley sprechen daher von "Bretton Woods II".

Die drei Forscher interpretieren das erste Bretton-Woods-System als Symbiose zwischen dem Kernland USA und einer Peripherie von Staaten vor allem in Westeuropa. In Europa war nach dem Zweiten Weltkrieg der Kapitalstock zerstört und musste wieder aufgebaut werden. Eine unterbewertete Währung machte die europäische Wirtschaft sehr wettbewerbsfähig. Die USA nahmen die Exporte der aufstrebenden Peripherie auf. Das führte zu Defiziten in der Handelsbilanz. Diese konnten die Europäer aber günstig finanzieren, indem sie mit ihren Überschüssen Dollar kauften und so ihre unterbewerteten Währungen stabilisierten.

Heute sei die Konstellation im Grunde ganz ähnlich - nur dass es sich nicht mehr um ein vertraglich verankertes Wechselkurssystem handele, sondern um ein informelles Arrangement, argumentieren die Forscher. Auch bei Bretton Woods II seien die USA das Kernland, die Peripherie werde diesmal von den asiatischen Schwellenländern gebildet. Dort, vor allem in China, gebe es Millionen unterbeschäftigte Landarbeiter, die in die Weltwirtschaft integriert werden sollen und dafür Kapital brauchen. Die chinesische Währung sei unterbewertet, was Produkte aus China für Amerikaner günstig mache. Im Gegenzug kauften die Chinesen US-Wertpapiere und hielten so ihre Währung stabil. Dies führe in den USA zu historisch niedrigen Zinsen.

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