
DüsseldorfUnter den 736 Abgeordneten des EU-Parlaments liegt George Becali unangefochten vorne – in einem unrühmlichen Ranking. Kein anderer Parlamentarier hat in der laufenden Legislaturperiode an so wenig Sitzungen teilgenommen wie der fraktionslose Abgeordnete aus Rumänien. Gerade einmal bei 27 Prozent aller Sitzungstage war der 53-Jährige im Parlament dabei, zeigen die im Internet veröffentlichten Statistiken des Politik-Portals Votewatch.eu.
Seit 2004 dokumentiert Votewatch die Aktivitäten jedes EU–Parlamentariers minutiös: Wie viele Reden hält er, wie viele Anfragen bringt er ein, wie oft schwänzt er die Sitzungen?
Zwei US-Ökonomen nutzen diese Daten nun, um eine der großen, ungelösten Fragen der Ökonomie zu beantworten: Wie verändert sich der Arbeitseinsatz eines Menschen, wenn sein Lohn steigt? Die ökonomische Theorie gibt darauf keine eindeutige Antwort. Denkbar ist sowohl, dass man mehr arbeitet, weil sich Arbeit stärker lohnt – als auch, dass man weniger arbeitet, weil man ja bei gleichem Einkommen mehr Freizeit genießen kann.
Naci Mocan (Louisiana State University) und Duha Altindag (Auburn University) haben diese Frage in einer Fallstudie anhand der EU-Parlamentarier untersucht. Deren Bezahlung hängt zum Teil von ihrem Fleiß ab. Für jede Parlamentssitzung, bei der ein Abgeordneter anwesend ist, bekommt er ein Tagesgeld, das von 262 Euro im Jahr 2004 auf derzeit 304 Euro gestiegen ist.
Die Forscher nutzten aus, dass es 2009 bei den EU-Diäten eine radikale Reform gab, die das Pauschalgehalt betraf, das die EU-Abgeordneten zusätzlich erhalten. Bis 2009 war dessen Höhe an die Diäten in den Parlamenten des Heimatlandes gekoppelt. Ein italienischer EU-Parlamentarier verdiente 140.000 Euro pro Jahr, sein Kollege aus Bulgarien dagegen nur 10.000 Euro.
Warum muss man denn gerade unproduktive Arbeit - wie es eben EU-Parlamentarier sind - hernehmen für eine Studie?
Bei denen könnte man glatt 50 % der Sitze einsparen und keiner würde eine Qualitätsverschlechterung erkennen, daraus ist dieses Versuchsobjekt komplett ungeeignet, für eine repräsentative Studie herzuhalten.
Leider wurde übersehen, dass die Sitzungsgelder auch schon dann gezahlt werden, wenn die Parlamentarier sich nur in die Liste am Eingang eintragen, und den Sitzungssaal danach gar nicht betreten. Es wird also nicht die Sitzungsteilnahme gezählt und zur Basis der Analyse genommen, sondern lediglich der Aufwand für ein kurzes "Hineinschauen" und Eintragen.
Eckard - Demokratie-Ökonomie
für mich ist nicht die kernaussage eine revolutionäre erkenntnis, sondern die, dass es noch einen fauleren eu-parlamentarier als die koch-mehrin gibt. danke für diese tolle revolutionäre erkenntnis.
10 Kommentare
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