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Emissionen: Wie Umweltsünder das Wachstum bremsen

Statistiken zu Wohlstand und Wachstum ignorieren einen wichtigen Faktor: die Umweltverschmutzung. US-Forscher haben jetzt eine Methode entwickelt, um das zu ändern.

Rauchende Schornsteine der ThyssenKrupp Stahlwerke in Duisburg. Die Emissionen richten auch wirtschaftliche Schäden an. Aber wie berechnet man die? Quelle: AP
Rauchende Schornsteine der ThyssenKrupp Stahlwerke in Duisburg. Die Emissionen richten auch wirtschaftliche Schäden an. Aber wie berechnet man die? Quelle: AP

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In den 80er-Jahren prangte auf vielen Auto-Heckklappen ein Aufkleber mit dem Spruch: "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann."

Tatsächlich tun sich Wirtschaftswissenschaftler bis heute schwer, die Kosten von Umweltverschmutzung zu erfassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst zwar die aktuelle wirtschaftliche Produktion, ignoriert aber die Umweltschäden, die diese mit sich bringt.

Ein dreiköpfiges Forscherteam will diesen blinden Fleck beseitigen. In der aktuellen Ausgabe des "American Economic Review" beschreiben die Ökonomen um William Nordhaus (Yale) eine Methode, mit der sich die Effekte von Umweltverschmutzung in BIP-Berechnungen einbauen lassen.

In ihrer Studie mit dem Titel "Environmental Accounting for Pollution in the United States Economy" präsentieren auch Modellrechnungen für die US-Wirtschaft mit spektakulären Ergebnissen. Demnach vernichten mindestens sieben Branchen volkswirtschaftlich mehr Werte, als sie schaffen, wenn man die Umweltschäden berücksichtigt.

Besonders schlecht fällt die Bilanz für Kohlekraftwerke aus, die ökonomisch fast doppelt so viel Schaden anrichten wie Nutzen stiften. Auch Müllverbrennungsanlagen, Kläranlagen und Steinbrüche vernichten statistisch betrachtet mehr Wohlstand, als sie schaffen.

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Die Ergebnisse sind auch deshalb bemerkenswert, weil die Ökonomen nur einen kleinen Ausschnitt von Umweltbelastungen beleuchten. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf Luftverschmutzung und ignorieren Lärm-, Wasser- und Bodenbelastungen.

Konkret heißt das: Die Forscher betrachten nicht nur - wie bislang üblich - die positive Wertschöpfung etwa von Stromerzeugern. Sie berücksichtigen auch die Folgen der Emission von Kraftwerken, dass beispielsweise der Agrarsektor weniger produziert oder Menschen früher sterben.

Diese Effekte lassen sich mit Hilfe sehr detaillierter Daten der US-Umweltbehörde erfassen, die kontinuierlich im ganzen Land die Luftqualität misst und ein Verzeichnis der 10000 wichtigsten Emissionsquellen des Landes erstellt hat. Die Forscher kennen die regionale Luftverschmutzung für die wichtigsten Luft-Schadstoffe wie Schwefeldioxid, Ozon und Feinstaub.

Zudem haben die Ökonomen medizinische Studien zum Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Umwelt- und Gesundheitsschäden ausgewertet. All diese Informationen stecken sie zusammen mit Daten zur Bevölkerungsdichte in ein Analysemodell. So können sie unter anderem schätzen, wie viele Menschen in welchen Regionen aufgrund welcher Emissionen frühzeitig sterben. Um dies in Mark und Pfennig zu bewerten, ziehen die Forscher eine statistische Kennziffer heran - den statistischen Wert eines Menschenlebens, der in den USA im Durchschnitt mit sechs Millionen Dollar angegeben wird.

Die Ergebnisse der Forscher sind frappierend. Den wirtschaftlichen Schaden, den die Luftverschmutzung in den USA pro Jahr anrichtet, beziffern sie auf 184 Milliarden Dollar. Rund ein Drittel davon entfällt auf die Stromversorger - vor allem wegen ihrer Schwefeldioxid-Emissionen. Berücksichtigt man auch den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid, sind die ökonomischen Schäden der Energiewirtschaft 30 bis 40 Prozent höher.

Unter dem Strich macht die Studie deutlich: Die bisherigen wirtschaftlichen Kennziffern gaukeln uns einen höheren Wohlstand vor, als wir ihn tatsächlich haben..

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