Wissenswert

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Esther Duflo: Die „Randomista“ will die Armut besiegen

Die französische Forscherin Esther Duflo hat die Entwicklungsökonomie mit einem neuen Forschungsansatz revolutioniert. Mit kontrollierten Experimenten findet sie vor Ort heraus, was gegen Armut hilft - und was nicht.

"Die Menschen mit denen ich arbeite, sind nicht verzweifelt."
"Die Menschen mit denen ich arbeite, sind nicht verzweifelt."

BostonWahrscheinlich war es ihre Mutter, die sie für das Thema sensibilisierte. Die war Kinderärztin in Paris und engagierte sich für Hilfsprojekte in Afrika. Schon als Kind interessierte sich daher auch Esther Duflo für die Armut in Entwicklungsländern. "Das erschien mir als das größte Problem der Welt", erzählt die 39-Jährige. Heute, rund drei Jahrzehnte später, ist sie Professorin für Entwicklungsökonomie am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und eine der international einflussreichsten Ökonominnen der Welt.

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Als sie mit ihrer wissenschaftlichen Karriere begann, war Entwicklungsökonomie eine Außenseiter-Disziplin der VWL. Derzeit boomt kaum eine andere Fachrichtung so stark - dank Duflo und ihrem MIT-Kollegen Abhijit Banerjee.

Das Forscher-Duo verhalf einer wissenschaftlichen Methode zum Durchbruch, die die Armutsforschung revolutionierte: Experimente mit Kontrollgruppen, wie sie in der Medizin schon lange üblich sind. So, wie Ärzte die Wirkung von neuen Medikamenten systematisch erforschen, testen die Ökonomen die Effekte von Wirtschaftspolitik mit sogenannten "randomized trials".

So fanden die Forscher zum Beispiel heraus, dass Mikrokredite im Kampf gegen die Armut nur bedingt helfen - und dass energiesparende Kochherde extrem simpel zu bedienen sein müssen, damit die Armen sie auch nutzen. Einleuchtend eigentlich, "aber das sagt sich hinterher immer leicht", meint Duflo.

Aktuelle Forschung

Als die Studie fertig war, hatte die Global Alliance for Clean Cookstoves schon Hunderttausende von schwierig zu bedienenden Öfen verteilt.

Weil sie "unerbittlich konventionelles Wissen infrage stellt", setzte das Time-Magazin Duflo im vergangenen Jahr auf die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Die American Economic Association zeichnete sie 2010 mit der "John Bates Clark Medal" aus, die in der Zunft als "kleiner Nobelpreis" gilt. Das Buch "Poor Economics", das sie mit Banerjee schrieb, wurde von der "Financial Times" zum Wirtschaftsbuch des Jahres 2011 erklärt. Die deutsche Übersetzung des Bestsellers kommt heute unter dem gleichen Titel in die Buchläden.

  • 27.08.2012, 13:38 Uhrgeorge.orwell

    "Die Armut begleitet die Menschheit seit vielen Tausend Jahren", schreibt sie in ihrem Buch, "wenn wir nun noch einmal 50 oder 100 Jahre warten müssen, dann sei es drum."

    "Am 19. Juni 2009 berichtete die BBC, dass nun offiziell eine Milliarde Menschen hungern.[2] Das ist etwa jeder siebente Mensch auf der Erde. Jedes Jahr sterben etwa 8,8 Millionen Menschen, hauptsächlich Kinder, an Hunger, was einem Todesfall alle 3 Sekunden entspricht (Stand 2007).[3]

    Zu verhunger ist ein qualvoller, langsamer Tod.

    Die Armut ist nur ein Spiegelbild des Reichtums. Die Armut zu bekämpfen ist einfach.

  • 27.08.2012, 13:56 UhrVolkerseitz

    Erfreulich, dass Frau Duflo Armatya Sen als Vorbild nennt.Wenn man dem indischen Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen folgt, kann man davon ausgehen, dass die Auswirkungen ökonomischen Fehlverhaltens in nichtdemokratischen Systemen erheblich größer sind als in demokratischen Systemen. Er hat nachgewiesen, dass in rechtstaatlichen Demokratien Hungersnöte sehr selten sind. Die Menschen sind verantwortlich. In Regionen, in denen es viel Korruption gibt, versickern die Mittel ohne positiven Effekt. Das große Entwicklungsproblem liegt in der Gesellschaftsstruktur mit sogenannten Eliten, die sich nicht um die normalen Bürger kümmern. Es gibt keine Entwürfe für deren Lebensqualität, soziale Sicherheit und Entfaltungsrechte. Die Unterentwicklung Afrikas ist ein Konglomerat von politischer Gleichgültigkeit und administrativer Nachlässigkeit, Armut, starken Bildungsdefiziten und dem Fehlen von Rechtssicherheit. Es ist fast alles mit Geld zu regeln, eine unabhängige Justiz gibt es nicht. Es ist eine Politik des unsystematischen Durchwurstelns. Das Desaster in vielen Staaten Afrikas ist, dass von den Machteliten nicht investiert sondern konsumiert wird. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich, zwischen Knechten und Herren, bleibt eines der größten Probleme in Afrika. Auch die extremen Bevölkerungszuwächse werden weitgehend ausgeblendet. Die Bevölkerung in Subsahara-Afrika hat sich seit 1990 fast verdoppelt.Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

  • 27.08.2012, 13:58 UhrVolkerseitz

    Erfreulich, dass Frau Duflo A. Sen als ihr Vorbild nennt. Wenn man dem indischen Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen folgt, kann man davon ausgehen, dass die Auswirkungen ökonomischen Fehlverhaltens in nichtdemokratischen Systemen erheblich größer sind als in demokratischen Systemen. Er hat nachgewiesen, dass in Demokratien Hungersnöte sehr selten sind. Die Menschen sind verantwortlich. In Regionen, in denen es viel Korruption gibt, versickern die Mittel ohne positiven Effekt. Das große Entwicklungsproblem liegt in der Gesellschaftsstruktur mit sogenannten Eliten, die sich nicht um die normalen Bürger kümmern. Es gibt keine Entwürfe für deren Lebensqualität, soziale Sicherheit und Entfaltungsrechte. Die Unterentwicklung Afrikas ist ein Konglomerat von politischer Gleichgültigkeit und administrativer Nachlässigkeit, Armut, starke Bildungsdefizite und dem Fehlen von Rechtssicherheit. Es ist fast alles mit Geld zu regeln, eine unabhängige Justiz gibt es nicht. Es ist eine Politik des unsystematischen Durchwurstelns. Das Desaster in vielen Staaten Afrikas ist, dass von den Machteliten nicht investiert sondern konsumiert wird. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich, zwischen Knechten und Herren, bleibt eines der größten Probleme in Afrika. Auch die extremen Bevölkerungszuwächse werden weitgehend ausgeblendet. Die Bevölkerung in Subsahara-Afrika hat sich seit 1990 fast verdoppelt.Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

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