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Finanzkrise : Basel III bändigt Banken nicht

Forscher und Aufseher fordern deutlich härtere Auflagen für Geldinstitute. Nur dann lasse sich das Risiko neuer Finanzkrisen deutlich senken. Studien zeigen zudem: Die Gegenargumente der Lobbyisten gehen ins Leere.

Illustration: Klaus Meinhardt für Handelsblatt
Illustration: Klaus Meinhardt für Handelsblatt

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London

Die neuen Regeln sind der große Wurf - da ist sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet sicher. Die soeben beschlossenen Eigenkapitalvorschriften würden "die Sicherheit der Banken steigern", sagte er. "Sie stärken die Stabilität des Finanzsystems und verbessern seine Fähigkeit, Quelle andauernden Wirtschaftswachstums zu sein."

Sieben Jahre ist es her, dass Trichet so schwärmte - im Sommer 2004. Da hatte sich die Welt in Basel gerade auf neue Regeln für Banken geeinigt. "Basel II" war geboren.

Heute sind viele Forscher überzeugt: Basel II hat die Finanzkrise erst möglich gemacht, weil die Banken viel zu viele waghalsige Geschäfte machen konnten. "Die Institute waren hoffnungslos unterkapitalisiert", sagt Philip Davis, Experte der Londoner Denkfabrik NIESR.

Weit höhere Kapitalpuffer sind nötig.
Basel III soll es nun richten. Im September 2010 haben sich die Industrienationen auf ein neues, strengeres Regime geeinigt. Wenn Banken einen Kredit vergeben, müssen sie 2019 dafür mindestens sieben Prozent an "hartem Eigenkapital" zur Seite legen. Bislang sind es nur zwei Prozent. "Sehr wichtig" findet Jean-Claude Trichet diese Beschlüsse von Basel III. Zudem werden auch die Definitionen, was überhaupt Eigenkapital ist, deutlich verschärft. „Um die vollständigen Auswirkungen der Reformen zu verstehen, ist es wichtig, das man das gesamte Reformpaket betrachtet", betont der Chefökonom der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Stephen Cecchetti. (siehe: "Strenges im Kleingedruckten von Basel III", Handelsblatt.com)

Einiges deutet darauf hin, dass Trichet damit erneut falsch liegt. Denn immer mehr Studien kommen zu dem Schluss: Basel III ist viel zu lasch. Die Gefahr von neuen Bankenkrisen wird dadurch kaum kleiner. Zudem zeigt sich deutlich: Die Argumente, mit denen die Bankenlobby gegen strengere Auflagen kämpft, halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand.

"Um das Finanzsystem wirklich sicher zu machen, müssten die Eigenkapitalauflagen für Banken deutlich schärfer sein als bei Basel III", sagt Adair Turner, Chef der britischen Finanzmarktaufsicht FSA. Ähnlich argumentiereÄhnlich argumentieren die Bank of England (BoE) und das NIESR in wissnschaftlichen Studien. Die Aufseher müssten zudem nicht nur mehr, sondern auch besseres Eigenkapital verlangen, so das NIESR. Das weiche Ergänzungskapital ("Tier 2") - etwa unrealisierte Gewinne aus Wertpapieren - sollte nicht mehr als Eigenkapital gelten.

"Eine Eigenkapitalquote, die mindestens doppelt so groß ist wie bei Basel III vorgeschrieben, würde den Bankensektor einer idealen Situation näher bringen", schreibt ein Forscherteam um den BoE-Ökonomen David Miles. Erst bei Eigenkapitalquoten von 16 und 20 Prozent sinke die Wahrscheinlichkeit neuer Finanzkrisen deutlich, zeigen Simulationsrechnungen.

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