
FRANKFURT. Wenn es nach dem für hemmungsloses Ökonomisieren bekannten Chicagoer Ökonomie-Nobelpreisträger Gary S. Becker ginge, dann dürfte es nicht geben, was Alberto Alesina von der Harvard University mit zwei Ökonomen der Bank von Italien herausgefunden hat: Italienische Banker haben offenbar beträchtliche Vorurteile gegen Frauen in der Wirtschaft. Wenn sie ihnen überhaupt Kredit geben, dann nur zu deutlich erhöhten Zinsen.
Damit tragen sie recht effektiv dazu bei, es dem aus ihrer Sicht schwachen Geschlecht schwerzumachen, sich in der Wirtschaft zu etablieren und zu behaupten.
Nach der ökonomischen Diskriminierungstheorie Beckers sollte ein freier Markt eigentlich dafür sorgen, dass so etwas nicht in nennenswertem Maße passiert. Wenn ein Geldhaus Frauen höhere Zinsen abverlangt, als zur Abdeckung des Risikos und für einen normalen Gewinn nötig sind, dann sollten andere Banken ein gutes Geschäft wittern und die besseren Konditionen für Frauen anbieten.
Mit dem Theorem der Markteffizienz vereinbar wäre diese Diskriminierung nur, wenn man nachweisen könnte, dass Kredite an Frauen öfter ausfallen als Kredite an Männer.
Der Zinsmalus, den die Banker Frauen auferlegen, macht nach den Berechnungen der drei Wirtschaftsforscher 0,29 Prozentpunkte aus. Man kann vermuten, wenn auch nicht nachweisen, dass Unternehmerinnen in spe zudem Kredite häufiger komplett verweigert werden als ihren männlichen Konkurrenten.