
DÜSSELDORF. Professionellen Ebay-Händlern stand vor gut einem Jahr die Zornesröte im Gesicht. Das Internet-Auktionshaus hatte entschieden: Verkäufer dürfen ihre Kunden nicht mehr negativ bewerten. Viele Profiverkäufer, die sich ohnehin schon lange über die saftigen Ebay-Gebühren ärgerten, drohten dem Auktionshaus mit Boykott.
Etliche kleine Konkurrenten wie Hood.de und Auvito.de witterten ihre Chance und versuchten, enttäuschte Ebay-Stammkunden auf ihre Seite zu locken. "Wir versuchen, das Ebay-Monopol zu knacken", sagte der Chef des Auktionshauses Auvito.de im August 2008.
Heute ist klar: Funktioniert hat das nicht. Ebay wächst zwar nicht mehr so stark wie früher, dominiert den Markt für Internetauktionen aber wie eh und je. Und das, obwohl die Konkurrenten noch nicht einmal Geld von den Anbietern verlangen.
Was auf den ersten Blick paradox erscheint, hat handfeste ökonomische Gründe, zeigen zwei amerikanische Ökonomen in einer Studie, die in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Political Economy" erschienen ist. (Eine frühere, kostenlose Version der Studie hier)
Die Besonderheiten des Marktes für Online-Auktionen, so die Quintessenz eines Feldexperimentes von Jennifer Brown und John Morgan, bescheren Ebay eine Art natürliches Monopol. Konkurrenten hätten auf dem Markt dauerhaft kaum eine Chance - selbst wenn sie ihren Kunden deutlich günstigere Konditionen anböten. Eine friedliche Koexistenz mehrerer Anbieter sei auf dem Markt für Online-Auktionen auf Dauer nicht möglich.
Der Grund ist ein Phänomen, das Ökonomen "Netzwerk-Effekt" nennen. Je mehr Verkäufer ein Online-Auktionshaus anzieht, desto interessanter ist es für potenzielle Käufer. Umgekehrt gilt: Je mehr Nachfrager sich bei einer Internetauktion tummeln, desto attraktiver wird diese für Verkäufer.
Solche Märkte, auf denen die Zahl der Anbieter und die der Nachfrager stark voneinander abhängen, nennen Wirtschaftswissenschaftler auch "zweiseitige Märkte". Jeder neue Nutzer macht dabei das Angebot für alle anderen Kunden attraktiver. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Nutzer hinzukommen.
Das klassische Beispiel dafür ist der Telefonmarkt. Ist man der einzige Mensch auf der Welt mit einem Telefon, dann ist es nutzlos. Mit jedem zusätzlichen Anschluss wird die Zahl der potenziellen Gesprächspartner größer - und damit steigt der Nutzen des Telefons.