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Stimmt es, dass ... : ... Lohnverzicht eine Abwertung in Griechenland ersetzen kann?

Bei Griechenlands Sanierung spielt die Wettbewerbsfähigkeit des Landes eine große Rolle. Sie könnte auf zwei Wegen gestärkt werden - bei denen unterschiedliche Nebenwirkungen zu berücksichtigen sind.

Eine Euro-Münze auf einer EU-Fahne. Quelle: dpa
Eine Euro-Münze auf einer EU-Fahne. Quelle: dpa

FrankfurtGriechenland hat seine Wettbewerbsfähigkeit verloren, weil Inflationsraten und Lohnsteigerungen dort jahrelang deutlich höher waren als im Norden, insbesondere in Deutschland. Ohne Währungsunion hätte eine Abwertung der Drachme das ausgeglichen. Als Gegenleistung für weitere Hilfen wird nun von Athen verlangt, die Wettbewerbsfähigkeit durch "reale" Abwertung wiederherzustellen. Gemeint ist damit eine Lohnsenkung. Dagegen haben die Gewerkschaften zum Streik aufgerufen. Gegen eine "normale" Abwertung haben sie kaum je gestreikt. Warum nicht?

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Lohnsenkung und Abwertung wirken sehr unterschiedlich. Beide machen zwar die international gehandelten Waren des Landes preislich wettbewerbsfähiger. Der große Unterschied liegt aber in den nicht international gehandelten Waren und Dienstleistungen. Bei einer Abwertung ändert sich für die Arbeitnehmer und für die Konsumenten zunächst einmal nichts. Ein gewisser Verlust an interner Kaufkraft rührt nur daher, dass Importgüter teurer werden, so dass den Menschen etwas weniger Geld bleibt, um es im Inland auszugeben. Das wird leicht überkompensiert dadurch, dass Importe durch heimische Anbieter verdrängt werden und die Exportproduktion steigt.

Bei einer allgemeinen Lohnsenkung dagegen haben alle Arbeitnehmer unmittelbar weniger Geld in der Tasche und können weniger ausgeben. Die für den heimischen Markt produzierenden Unternehmen können weniger absetzen. Dieser die Kaufkraft dämpfende Effekt ist in der Regel deutlich stärker als bei einer Abwertung.

Griechenlands Reformen

  • Bereits umgesetzte Maßnahmen

    • Grundstückssteuer (2 Mrd. Euro), die über die Stromrechnung eingezogen wird (ab 2012 durch Finanzamt)
    • erstmals Entlassungen im öffentlichen Dienst (betrifft Beamte nahe Pensionsalter)
    • Benzinsteuer und Heizölsteuer +10%
    • Alkoholsteuer +10%
    • Solidaritätsabgabe für 2011, 2012 und 2013 auf das Einkommen
    • MwSt von 21 auf 23%
    • Renteneintrittsalter heraufgesetzt, jedoch weiterhin keine einheitliche Regelung

  • Geplante Maßnahmen

    • Beschleunigung der Privatisierung von Staatsunternehmen und Verwertung des öffentlichen Vermögens
    • weitere Kürzung der Beamtengehälter
    • weitere Kürzung von Sozialleistungen
    • Aufbau nationaler Statistiken
    • Abbau bürokratischer Hürden, Öffnung geschützter Berufe (Taxi, Apotheken u.v.m)
    • Schließung von staatlichen Unternehmen
    • Um die Pleite Griechenlands abzuwenden, erlassen die privaten Gläubiger (Banken und Versicherungen) dem Staat die Hälfte seiner Schulden (100 Mrd. Euro) oder mehr; dadurch soll der griechische Schuldenstand bis zum Jahr 2020 von 160 auf 120% des BIP verringert werden.
    • Anleihen von EU-Staaten und EZB behalten ihren Wert, nur private Gläubiger machen Einschnitte; dafür gewährt EU weitere 100 Mrd. Euro bis 2014

So wie die hohen Lohnsteigerungen bei einheitlichem Zins und festen Wechselkursen einen übertriebenen Boom produziert haben, können Lohnsenkungen durch negative Rückkopplungen die Wirtschaftskrise verstärken. Dieser Effekt schlägt umso stärker durch, je geringer das Gewicht von Industrie und Exportsektor ist. In Griechenland ist es besonders niedrig.

Eher einer Abwertung nahe käme eine Politik, die zum Beispiel Sozialabgaben von Betrieben auf die Mehrwertsteuer verlagert. Denn ausländische Abnehmer zahlen keine heimische Mehrwertsteuer.

Basisdaten Griechenland

Quelle: Eurostat
*Schätzung

  • 09.02.2012, 22:35 UhrAnonymer Benutzer: KHD

    Die Darstellungen zur Abwertung einer Währung und Absenkung von Löhnen und Preisen ist in einem entscheidenden Punkt falsch. Preise werden - ausser in Monopolen und staatlich kontrollierten Märkten nicht festgelegt, sondern sie bilden sich immer über Angebot und Nachfrage, wie man im ersten Semester VWL lernt. Die Funktionalität einer (willkürlich) definierten "Wettbewerbsfähigkeit" von Staaten - wie die der OECD - ist nicht nur über die Güter- und Arbeitsmarktpreise definiert, sondern auch durch die Währungsrelationen gegenüber anderen Währungsregionen und Staaten. Folglich ist die "Wettbewerbsfähigkeit" immer eine relative Grösse. Bei Staaten in Währungsunionen muss man zwischen einer inneren und einer äusseren "Wettbewerbsfähigkeit" unterscheiden. Sollte eine Abwertung alleine über Preise und Löhne möglich sein,- der Beweis ist allerdings bis dato in keinem Fall erbracht, in dem der IWF aufgetreten ist -, kann das nur bedingt nach aussen genutzt werden, da die Währungsrelation (EURO) nicht von dem einzelnen Staat in der Währungsunion manipuliert werden kann. Faktisch kann sich Griechenland zu Tode sparen, wenn der EURO stärker werden sollte, wäre alles sinnlos gewesen. Nach innen scheinen alle südeuropäischen Länder ihre "Wettbewerbsfähigkeit" verloren zu haben. Wenn sich in allen Peripheriestaaten gleichzeitig Löhne und Preise zurückbilden sollten, weil die Arbeitsmärkte freier werden und sich die Löhne am Markt bilden und Preise (im Inland hergestellter Güter) wegen fallender Nachfrage sinken, profitiert keiner der Staaten von der zunehmenden "Wettbewerbsfähigkeit" gegenüber dem jeweils anderen. Wenn sich auf den Märkten der Staaten in der Währungsunion, die heute schon günstigere Preise anbieten, diese ebenfalls Preise im gleichen Verhältnis sinken, waren alle Entbehrungen (Griechenlands) sinnlos. Faktisch wird hier über etwas diskutiert, was nicht ernsthaft diskussionswürdig ist, da die vom IWF geforderten Sparmassnahmen reine Alibimassnahmen sind.

  • 07.02.2012, 22:03 UhrEls

    Im Durchschnitt sind die Löhne in Griechenland um 14.6% zurück gegangen, sogar bis zu 30% in der Tourismus-Branche. Das entspricht dem Niveau von 1997...
    Die Inflationsrate liegt bei 2.4%.
    Wie sollen die Menschen dort denn leben ?

  • 07.02.2012, 17:18 UhrAnonymer Benutzer: RD1

    Selbstverständlich müssen auch die Dienstleistungspreise (selbständige Ärzte, Anwälte, Friseure, Gastronomie usw.) gesenkt werden, sonst trifft es nur die Arbeitnehmer und nicht diejenigen, die jahrelang teuern hinterzogen haben (Freiberuflöer u.a.)

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