Wissenswert

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Studie: Die Preise in Europa driften auseinander

Der Euro sollte ursprünglich die Preise in Europa angleichen. Eine Studie hat diese These untersucht und die Preise von Waschmaschinen in der Euro-Zone verglichen. Dabei zeigt sich, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Am Beispiel von Waschmaschinenpreise lässt sich zeigen, dass die Preise in der Euro-Zone auseinander gedriftet sind. Quelle: ap
Am Beispiel von Waschmaschinenpreise lässt sich zeigen, dass die Preise in der Euro-Zone auseinander gedriftet sind. Quelle: ap

DüsseldorfAls die EU-Kommission vor zwanzig Jahren versuchte, den Bürgern die Idee einer Einheitswährung schmackhaft zu machen, stellte sie ein Argument immer besonders in den Vordergrund: Durch den Euro würde nicht nur das leidige Geldwechseln an den Grenzen wegfallen, sondern auch der Wettbewerb auf den Produktmärkten gestärkt.

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Ohne Wechselkurse, so schrieb die Kommission 1990, könnten die Konsumenten die Preise sofort europaweit vergleichen und Schnäppchen aufspüren. Das wiederum würde die Firmen davon abhalten, Preisdiskriminierung zu betreiben, also heimlich in verschiedenen Ländern verschiedene Preise zu verlangen. Ergo würden sich die Preise in Europa angleichen. Und sinken.

Doch eine jüngst im Fachblatt „European Economic Review“ erschienene Studie des Bundesbank-Forschers Christoph Fischer zeigt: Mit dem europaweiten Preiswettbewerb ist es nicht weit her. Vielmehr driften die Preise in den jeweiligen Ländern seit der Euro-Einführung sogar weiter auseinander.

Das heißt im Klartext: Hersteller und Händler haben für alle Länder Europas eigene Absatzstrategien und keine einheitliche für ganz Europa – zum Schaden der Kunden in den Hochpreisländern.

Aktuelle Forschung

Zumindest gilt das für den Markt für Waschmaschinen, den Fischer in seiner Studie untersucht. Seine Wahl war auf dieses Produkt gefallen, weil dafür am ehesten ein europaweiter Markt bestehen müsste: Schließlich werden die Maschinen nur von wenigen internationalen Herstellern produziert und müssen meist importiert werden. Dazu gibt es keine Unterschiede bei den nationalen Gebräuchen: Jeder Europäer braucht von Zeit zu Zeit eine Neue.

Für seine Analyse nutzte Fischer eine gigantische Datenbank, die 90 Prozent aller Waschmaschinenkäufe abdeckte, die in Europa innerhalb von zehn Jahren getätigt wurden – mehrere Hunderttausend an der Zahl. Der große Vorteil daran: Die Datenbank enthielt neben genauen Angaben über die verkauften Modelle auch die tatsächlich bezahlten Preise inklusive aller Rabatte.

Um die Entwicklung der Preise zwischen den Ländern vergleichen zu können, berechnete Fischer mit statistischen Kniffen den Preis einer „Durchschnittswaschmaschine“. Dafür bereinigte er die Beträge um den Teil, der auf Unterschiede in der Ausstattung zurückzuführen ist. Schließlich sind Maschinen mit Trocknerfunktion oder schnellerem Schleudergang teurer als andere. Übrig blieben dann die Preisdifferenzen, die nur noch durch nationale Unterschiede zu erklären waren.

Die Ergebnisse zeigen: Die Preisunterschiede zwischen den Ländern wurden mit den Jahren eher größer als kleiner – und betragen bis zu einem Viertel des Preises. Ausgerechnet die verhältnismäßig armen Griechen und Spanier zahlen dabei am meisten. Auch das Einkommensniveau in den Staaten kann also die Unterschiede nicht erklären.

Im Gegenteil: Am besten funktioniert der Preiswettbewerb im reichen Deutschland. Hier ist die Durchschnittsmaschine am billigsten. Die Vertriebsstrategien in Deutschland seien vermutlich aggressiver, sagt Fischer und verweist auf die „Geiz ist geil“-Kampagne der Handelskette Saturn.

Dass Waschmaschinen ein Sonderfall sind und sich die Preise auf anderen Märkten eher angleichen, ist eher unwahrscheinlich. Denn frühere Studien, die nicht einzelne Produkte, sondern grobe Warenkörbe verglichen haben, sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. „Die Hoffnung der EU-Kommission hat eindeutig getrogen“, so Fischers Fazit.

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