Wissenswert

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Studie: Wertvolle Beziehungen in die DDR

Westdeutsche, die Freunde und Verwandte jenseits der Grenze hatten, haben nach der Wende davon ökonomisch massiv profitiert.

von Johannes Pennekamp
Menschen aus Ost und West feiern am 10. November 1989 vor dem Brandenburger Tor. Viele sahen ihre Verwandten nach vielen Jahren wieder. Quelle: dapd
Menschen aus Ost und West feiern am 10. November 1989 vor dem Brandenburger Tor. Viele sahen ihre Verwandten nach vielen Jahren wieder. Quelle: dapd

Ein Pfund Jakobs-Kaffee, Milka-Schokolade, Nüsse und Datteln, dazu die obligatorische Nylonstrumpfhose. Das "Westpaket", dieser kleine Gruß an Verwandte und Bekannte in der DDR, war schnell gepackt - und eine lohnende Investition. Zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer zeigt sich: Menschen in Westdeutschland, die soziale Beziehungen in die DDR pflegten, haben nach der Wiedervereinigung deutlich mehr verdient. Davon profitierten nicht nur sie selbst, sondern ganze westdeutsche Regionen.

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Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kommen die Ökonomen Tarek Hassan (Chicago Booth School of Business) und Konrad Burchardi (London School of Economics) in ihrer bemerkenswerten Studie "The Economic Impact of Social Ties: Evidence from German Reunification".
Dass sich gute zwischenmenschliche Beziehungen wirtschaftlich auszahlen, vermuten Wissenschaftler schon lange. Es haperte aber an validen empirischen Belegen. In aller Regel können sie nicht auseinanderhalten, ob Menschen Kontakte von vorneherein aus wirtschaftlichem Kalkül knüpften oder ob es sich um wahre Freundschaften handelt, die zufällig ökonomische Folgen hatten.

Die deutsche Wiedervereinigung bietet den Ökonomen die Chance, den Beziehungseffekt isoliert zu messen: Bis zum Herbst 1989 ahnte niemand, wie schnell die Mauer fallen würde - daher "müssen die Kontakte aus unökonomischen Gründen bestanden haben", argumentieren Hassan und Burchardi.
Um herauszufinden, wer Verwandte und Freunde in der DDR hatte, werteten sie Zensus-Befragungen und Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus - und sie betrachteten Regionen, in denen sich vor dem Mauerbau viele DDR-Flüchtlinge angesiedelt hatten.

Die Ökonomen stellten fest: In Familien, die 1989 mindestens einen Verwandten in der DDR hatten, stieg das Haushaltseinkommen in den folgenden sechs Jahren im Schnitt um 4,3 Prozent an. "Westdeutsche mit DDR-Kontakten verstanden es besser, die neuen Möglichkeiten im Osten zu nutzen", heißt es in der Studie. Zudem stellen die Forscher fest: In Regionen, in denen der Anteil an Menschen mit grenzüberschreitenden Kontakten überdurchschnittlich hoch war, etwa in Ostholstein oder den Regionen Hagen und Hannover, stieg das Pro-Kopf-Einkommen bis 1995 insgesamt um satte 4,6 Prozent. Der Einkommenszuwachs in den einzelnen Haushalten mit Ost-Kontakten kann nur einen Bruchteil davon erklären.

Die Forscher vermuten, dass die sozialen Kontakte den Bekannten aus dem Westen Informationsvorsprünge verschafft haben. Wer etwa durch einen Cousin aus Magdeburg erfuhr, dass Gebrauchtwagen aus dem Westen extrem gefragt waren, habe schneller in das Geschäft einsteigen können.
Tatsächlich können die Autoren zeigen, dass sich in Regionen mit vielen Ost-Kontakten nach dem Mauerfall mehr Menschen selbstständig machten und vor allem Handels- und Dienstleistungunternehmen im Schnitt erfolgreicher waren. Indirekt hätten dadurch ganze Landstriche von den Ost-Kontakten profitiert. Noch heute haben Unternehmen aus diesen Regionen im Schnitt mehr Niederlassungen in den neuen Bundesländern.

Mögliche Erklärungen, die diese Argumentation zunichtemachen würden, können die Forscher ausschließen. Die Menschen mit Kontakten in den Osten seien weder überdurchschnittlich gut ausgebildet, noch leben sie in Regionen, die ohnehin boomten oder nah an der ehemaligen Grenze lagen. Die Forscher interpretieren ihre Ergebnisse als "Beleg für eine kausale Beziehung zwischen sozialen Beziehungen und regionaler, wirtschaftlicher Entwicklung in Westdeutschland".

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