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Teure Fehler: Besserwisserei kommt an der Börse teuer

Ein Anleger ist jemand, der hinterher alles vorher gewusst hat. Eine Börsenweisheit, die nun wissenschaftlich belegt ist: Im Rückblick erinnern sich viele Investoren systematisch falsch an ihre Vorhersagen – und lernen daher zu wenig aus ihren Fehlern der Vergangenheit.

Kurstafel an der Frankfurter Börse: Fehleinschätzungen verdrängen Anleger gern. Quelle: ap
Kurstafel an der Frankfurter Börse: Fehleinschätzungen verdrängen Anleger gern. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Wer kennt sie nicht, die Freunde oder Kollegen, die nachher immer behaupten, sie hätten es alles doch schon vorher gewusst. Jürgen Klinsmann scheitert als Bayern-Trainer? Die Börsenkurse brechen zusammen? Der neue Abteilungsleiter ist inkompetent? Immer findet sich jemand, der steif und fest behauptet: „Ich habe es kommen sehen.“ Ein prominenter deutscher Ökonom ist sogar überzeugt, er habe schon Ende der siebziger Jahre in seiner Dissertation die Probleme beschrieben, die die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst haben. Schade nur, dass er sich erst im Nachhinein damit zu Wort gemeldet hat.

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Psychologen wundern sich darüber nicht. Sie wissen: Es sind nicht nur notorische Aufschneider und Besserwisser, die so agieren. Dieses Verhalten ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Nachdem wir vom Ausgang eines Ereignisses erfahren haben, erinnern wir uns oft systematisch falsch an unsere früheren Vorhersagen. Psychologen sprechen vom „Rückschaufehler“ (Englisch: „hindsight bias“).

Die beiden Wirtschaftswissenschaftler Bruno Biais (Toulouse University) und Martin Weber (Universität Mannheim) zeigen in einer Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Management Science“ erschienen ist: Diese menschliche Fehlleistung ist auch wirtschaftlich von hoher Bedeutung – vor allem an den Finanzmärkten. Menschen unterschätzen im Rückblick vor allem das Ausmaß der Unsicherheit, das zum Zeitpunkt ihrer Prognose bestand. Dieses Verhalten kann teuer werden: Anleger, die stark unter dem Rückschaufehler leiden, lernen wenig aus ihren eigenen Fehlern und schmälern dadurch das eigene Vermögen. Sie halten die Zukunft für vorhersagbarer, als sie in Wirklichkeit ist.

Biais und Weber befassten sich mit dem Rückschaufehler bei Börsenprognosen. In einem Experiment ließen sie Studenten prognostizieren, wie sich die Preise bestimmter Aktien und Rohstoffe innerhalb von einer Woche entwickeln. Nach sieben Tagen luden die Forscher die Probanden erneut ins Labor, präsentierten die tatsächliche Entwicklung der vergangenen Woche und baten um eine neue Prognose für die Zukunft. Der einen Hälfte der Versuchspersonen wurden ihre ursprünglichen Schätzungen aus der Vorwoche vorgelesen. Die anderen Probanden wurden dagegen gebeten, sich selbst an ihre Prognosen zu erinnern.

Bei den Studenten, die auf das eigene Gedächtnis angewiesen waren, offenbarte sich ein deutlicher Rückschaufehler: Sie überschätzten ihre Prognose-Fähigkeiten deutlich und erinnerten sich fälschlicherweise an Prognosen, die näher an der wahren Entwicklung waren. Erstaunlich ist, dass dieser Fehler auch Folgen für die nächste Prognose hatte, die diese Gruppe abgeben sollte: Auch die stellte sich später meist als schlechter heraus als bei der anderen Gruppe.

Biais und Weber erklären diese Beobachtung damit, dass die Probanden aktuelle Informationen – also die tatsächliche Kursentwicklung der vergangenen Woche – gedanklich in ihre alte, in der Erinnerung verzerrte Schätzung einbauten. Aber wie allgemeingültig sind Ergebnisse, die auf Experimenten mit Studenten basieren? Sind erfahrene Finanzmarktprofis, die seit Jahren im Geschäft sind, nicht vielleicht weniger anfällig für den Rückschaufehler? Auch dieser Frage gingen die beiden Forscher auf den Grund – sie machten ähnliche Experimente mit Investmentbankern in Frankfurt und London.

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