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Wissenschaft: Warum Musikpiraterie kleinen Plattenlabels hilft

Musikpiraterie kostet die Plattenindustrie Milliarden. Viele fürchten, dass deshalb auch die Qualität von Neuerscheinungen leiden könnte. Eine US-Studie kommt jedoch zu verblüffenden Ergebnissen.

Ein Online-Ermittler sucht nach illegaler Musik. Quelle: dpa
Ein Online-Ermittler sucht nach illegaler Musik. Quelle: dpa

LondonDas Internet hat kaum eine Branche so sehr durcheinandergewirbelt wie die Musikindustrie: 1999 machten Plattenfirmen in Deutschland noch 2,6 Milliarden Euro Umsatz, zehn Jahre später waren es nur noch 1,6 Milliarden Euro. 70 Millionen Lieder kaufen die Deutschen derzeit jedes Jahr legal - zugleich erstellen sie rund 420 Millionen illegale Kopien.

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Die Plattenindustrie geht hart gegen Musikpiraten vor. Das diene nicht nur dem Schutz der Umsätze und Gewinne, sondern sei letztlich auch im Interesse aller Musikliebhaber, argumentiert die Branche. Je weniger Geld Künstler und Plattenfirmen verdienten, desto geringer sei der Anreiz für sie, in neue Bands zu investieren und neue Alben auf den Markt zu bringen. Wer nicht bereit sei, für Musik zu bezahlen, werde früher oder später keine gute neue Musik mehr genießen können.

Der amerikanische Ökonom Joel Waldfogel, Professor an der University of Minnesota, hat dieses Argument jetzt empirisch auf den Prüfstand gestellt - und zieht es nachhaltig in Zweifel. Waldfogel hat die Qualität der Popmusik wissenschaftlich untersucht. Er findet keinerlei Belege dafür, dass sich die Konsumenten seit dem Aufkommen von illegalen Tauschbörsen wie Napster und "Pirate Bay" mit schlechterer Musik zufriedengeben müssen: "Der kreative Output der Branche ist heute mindestens genauso hoch, wenn nicht höher, wie vor dem Aufkommen von Napster", lautet sein Fazit.

Um die Qualität von neuer Musik zu messen, hat Waldfogel eine Reihe von Indikatoren entwickelt. Er stützt sich dabei unter anderem darauf, wie gut Alben bei Musikjournalisten ankommen und wie häufig Songs im Radio gespielt werden. Unter anderem wertete der Ökonom knapp 60 verschiedene Ranglisten von Musikkritikern aus - zum Beispiel die Liste der 500 besten Platten aller Zeiten des Musikmagazins „The Rolling Stone“. Zudem nutzte er detaillierte Daten über die Playlists amerikanischer Radiosender und wertete aus, welche Songs aus welchen Jahren im Laufe der Zeit wie oft gespielt wurden.

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