Wissenswert

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Wissenswert: Wachstum schafft nicht zwingend Reichtum

Für unseren Wohlstand ist nicht nur die Höhe des Wachstums zentral. Viel wichtiger ist, dass es wenig Krisen gibt. John Joseph Wallis erklärt wie der "New Deal" die Marktwirtschaft stabiler gemacht hat.

Was schneller wächst , schrumpft auch wieder schneller, so die Theorie des Ökonomie-Professors John Joseph Wallis. Quelle: © Matthias Kulka/zefa/Corbis
Was schneller wächst , schrumpft auch wieder schneller, so die Theorie des Ökonomie-Professors John Joseph Wallis. Quelle: © Matthias Kulka/zefa/Corbis

LONDON. Kein Student der Volkswirtschaftslehre kommt an ihr vorbei. Spätestens im Hauptstudium steht an jeder Fakultät die Wachstumstheorie auf dem Lehrplan - komplexe mathematische Modelle, mit denen Ökonomen analysieren, warum manche Länder reich und andere arm sind. Der Kapitalstock ist zentral für hohes Wachstum, lautet eine Botschaft dieser Theorie. Auch auf richtig dosierte Investitionen komme es an und auf den technischen Fortschritt.

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Aber ist hohes Wachstum überhaupt der entscheidende Schlüssel für ein hohes Volkseinkommen? Auf den ersten Blick sieht das aus wie eine ziemlich absurde Frage. Was sonst soll den Wohlstand treiben, wenn nicht hohes Wachstum?

Tatsächlich ist die Sache etwas komplizierter, wie eine neue Arbeit von John Joseph Wallis, Ökonomie-Professor an der University of Maryland, zeigt. Viel wichtiger als die Höhe des Wachstums in guten Zeiten ist demnach, wie oft und wie sehr ein Land in Krisen gerät. "Reiche Länder sind nicht deshalb reicher, weil sie schneller wachsen als arme", sagt Wallis. "Sie erleben seltener Episoden mit negativem Wachstum, und sie schrumpfen in Krisen langsamer."

Wallis hat die Statistiken auf seiner Seite. Wenn arme Länder wachsen, dann tun sie es mit höherem Tempo als reiche. Allerdings sind sie auch viel anfälliger für schwere Rezessionen. So ist die Wirtschaftsleistung in den reichsten Ländern der Welt zwischen 1950 und 2004 in Jahren mit Wachstum im Schnitt um 3,9 Prozent gestiegen. In den armen Ländern lag das Plus in Wachstumsjahren dagegen bei 5,4 Prozent. Allerdings: Die reichen Ländern wuchsen in 45 der 54 Jahre - die armen nur in 35 Jahren.

Umgekehrt sind die reichen Staaten nur in neun Jahren geschrumpft. In den armen Staaten gab es dagegen mehr als doppelt so viele Krisenjahre, und die Wirtschaftsleistung brach dann jeweils mehr als doppelt so stark ein.

Ein ähnliches Bild gilt für die US-Wirtschaft, wenn man die Jahre zwischen 1840 bis 1949 mit denen von 1950 bis 2009 vergleicht. Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Wachstum deutlich höher als danach - dafür gab es aber auch weit mehr und weit schlimmere Rückschläge.

Die traditionelle Wachstumstheorie kann dieses Muster nicht erklären. Wallis hat daher eine eigene Erklärung entwickelt - seine "Theorie des Schrumpfens". Dahinter steht kein neues quantitatives Modell, sondern eine abstrakte, politikwissenschaftlich geprägte Argumentation.

  • 26.04.2010, 18:40 Uhrlonestar

    Warum zählt heute etwas als Erkenntnis, das wir vor 170 Jahren schon von Karl Marx erfahren haben?

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