Wie man faulen Lehrern auf die Sprünge hilft

Wissenswert
Wie man faulen Lehrern auf die Sprünge hilft

Zuckerbrot und Peitsche: Unter Disziplinarauflagen können Lehrer mehr leisten. US-Forscher bewiesen nun, dass man ihnen bei schwachen Leistungen der Schüler das Gehalt kürzen sollte, um einen Anreiz zu schaffen.
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KölnAuf dem Papier sieht alles so einfach aus: Wenn Lehrer für gute Leistungen ihrer Schüler ein Extragehalt bekommen, machen sie einen besseren Unterricht, predigen Bildungsökonomen seit Jahren. In Studien und Modellen schwärmen sie von den segensreichen Wirkungen einer leistungsabhängigen Lehrerbezahlung. Die Pädagogen nähmen sich für schwächere Schüler mehr Zeit und der Beruf würde für talentierte Studenten attraktiver.

Das Problem: In der Realität scheitert die schöne ökonomische Theorie oft. US- Schulen haben die Bonuszahlungen für Lehrer bereits eingeführt - besser wurden die Schüler dadurch nicht.

Eine Forschergruppe um den Harvard-Ökonomen Roland Fryer glaubt jetzt herausgefunden zu haben, wie die Theorie auch in der Realität funktionieren kann: Statt Lehrer mit der Aussicht auf einen fetten Bonus zu locken, sollte man ihnen lieber androhen, Geld wegzunehmen.

Die Ökonomen arbeiteten für ihre Studie mit neun Schulen in der Stadt Chicago Heights zusammen und konnten so die Wirkungen von Lehrerboni in einem Experiment messen. Jedem Lehrer boten sie an, bis zu 8000 Dollar zu zahlen, wenn die Schüler bei einem Vergleichstest gut abschneiden. Nicht alle Lehrer wollten bei dem Experiment mitmachen, daher hatten die Forscher gleich eine passende Kontrollgruppe und konnten messen, ob Lehrer mit oder ohne Prämie die besseren Schüler ausbilden.

Einigen Pädagogen schlugen die Ökonomen einen besonderen Deal vor: Sie zahlten ihnen schon am Beginn des Schuljahres 4000 Dollar. Wenn ihre Schüler eine vorgegebene Punktzahl beim Vergleichstest erreichten, durften die Lehrer das Geld behalten. Waren die Schüler schlechter, mussten die Pauker die Prämie wieder zurückzahlen.

Als die Forscher die Testergebnisse am Schuljahresende auswerteten, kamen sie zu überraschenden Ergebnissen. Schüler, deren Lehrer erst nach dem Test ausgezahlt wurden, erreichten nicht mehr Punkte als diejenigen in der Kontrollgruppe, in der die Lehrer keine Prämien erhielten.

Doch eine Schülergruppe war in dem Test besonders stark: Diejenigen, die von Lehrern unterrichtet wurden, denen die Forscher schon vor dem ersten Schultag 4000 Dollar gezahlt hatten.

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Verlustrisiko steigert den Erfolgswillen

Kommentare zu "Wie man faulen Lehrern auf die Sprünge hilft"

Alle Kommentare
  • Leider habe ich diesen Artikel viel zu spät gelesen - auch die Kommentare.
    Als ich Abi machte wollten alle Pfeifen, Duckmäuser und Petzen Beamte und mehrheitlich lehrer werden - wegen des Halbtagesjob und der vielen Ferien!!! Diese Säcke sehe ich nun täglich meine kinder unterrichten. Dabei beleidigen die Lehrer unsere Kinder als Betrüger, nötigen sie, vergleichen Sie mit Alkoholikern in der Kneipe. Sie verstoßen gegen das Datenschutzgesetz und kommen häufig zu spät, sind unvorbereitet oder ahnden einen vergessenen Zirkel mit einer mündlichen 6.
    Gleich noch eins zu Pisa und dem tollen Land der Lehrer - Finnland. In Finnland sind die Klassen deutlich mit weniger Schülern aufgefüllt. Eine Wohnung in Finnland kostet deutlich mehr als bei uns. Die Nahrungsmittel sind locker 20% teurer und die Löhne in Finnland sind etwa 30 % geringer als bei uns. Mit diesen Voraussetzungen wären bei uns 20 Schüler pro Klasse oder weniger kein Problem. In der Schweiz müssen Lehrer sich weiterbilden. Können sie das nicht nachweisen wird ihnen gekündigt. Noch ein Punkt: in Heidelberg gab es zu meiner Zeit das PrivatGym "Englisches Institut". War dort ein Schüler mit sitzenbleiben bedroht musste der Lehrer nachhilfe leisten um dieses Problem zu lösen.

  • "Faule" Lehrer sollten entlassen werden,und zwar unter der Auflage dass sie in dem Fall
    ihre Pensions Ansprueche verlieren. Kein Land kann es sich leisten so viel " totes Gewicht"
    mit sich herum zu schleppen.Diese Regel sollte fuer alle Beamten gelten...das wuerde den Verwaltungswasserkopf entlasten und der Rest wuerde sich mehr Muehe geben.

  • Hier noch ein paar wissenschaftliche Fakten zu dem Thema:
    1. Es gibt eine Studie von Falk & Dohemen die zeigt, dass Lehrer (in der BRD) eine relativ risikoaverses Klientel sind. D.h. er würden an derartigen Projekten wahrscheinlich wenig Lehrer freiwillig mitmachen & wenn es erzwungen ist, würde die Arbeitszufriedenheit wohl stark sinken, was durchaus auch für die Schüler negativ wirken kann.
    2. Es ist sehr gut, dass der Autor des Handelsblattartikels die Studie von List & Hossein erwähnt. Genau von denen gibt es nämlich eine neue Studie in genau der gleichen Chinesischen Firma. Diese Zeigt, dass wenn die Anreize für die Produktionsmenge erhöht wird, die Qualität runter geht. Diese Problem, Theoretisch von Holmstrom & Milgrom 1991 beleuchtet, ist insbesondere auch bei der Lehrerbesoldung eine wichtiges Problem. So werden die Schüler vllt in Tests besser, aber u.U. bleibt die Vermittlung von Kreativität o.ä. schwer messbaren Dingen auf der Strcke. LANGE REDE KURZER SINN: Anreizbesoldung & Multi-tasking sind schwierig!

  • @Andre: Der typische Junganwalt und Absolvent einer juristischen Massenfakultät startet heutzutage in aller Regel mit einem Hungerlohn in eine ungewisse Zukunft als Inhaber einer 1-Mann-Wohnzimmerkanzlei und als Taxifahrer, um auf 1800 € Bruttogehalt zu kommen. Diejenigen Nachwuchsjuristen, die von Großkanzleien mit exorbitanten Einstiegsgehältern hofiert werden (Prädikatsexamina ab mindestens 11 Punkten), kann man bei einem Examensjahrgang an einer Hand abzählen.

    Zu den Lehrern: Die üben einen weitaus verantwortungsvolleren Job als die breite Masse der deutschen Akademiker aus und sollten auch dementsprechend vergütet werden - ob im Wege des Beamtenstatus oder einer leistungsorientierten Bezahlung, das muss auf politischer Ebene diskutiert werden.

  • Es gibt sicher Grund auch Lehrer zu kritisieren. Es ist wohl auch richtig das einige ihre Schüler eher demotivieren.
    Doch das liegt eher selten an den Personen selbst, als vielmehr dem völlig verkorkst verreformierten Bildungssystem, das viel zu viel Ideologie und Inkompetenz repräsentiert und damit auch zuviel falsches Personal anzieht.
    Es ist kein Zufall, das gerade die konservativen Bundesländer die besseren Ergebnisse erzielen. nicht weil ihr System so gut wäre, sondern weil sie keine verkorksten Reformen durchgeführt haben.
    Wenn man schon strukturell nicht in der Lage ist sinnvolle Politik zu betreiben, ist das Verharren eben die bessere Option.
    Von Leistungsprämien halte ich gar nichts, was diese Studie ja auch beweist. Wem der Verlust an Einkommen droht, der strengt sich nach dieser Studie allerdings mehr an. Das eröffnet auch nicht gerade tolle Optionen. abgesehen davon, das ein zu rigoroser Kündigungsschutz wohl weit weniger sinnvoll ist, als angenommen.

    H.

  • Jede Menge Lehrer kommentieren hier. Aber es ändert nichts, die Lehrer sind eindeutig diejenigen, die Kinder demoralisieren, sich es selbst einfach machen indem das einmal erarbeitete Unterrichtskonzept zig Jahre einfach wiederholt wird. Sie sind Schuld am Pisaranking und zudem ab 60 Jahren meist in kostenintensiver Frührente. Die Lehrer sitzen in der Politik und machen einen Mist nach dem anderen. Natürlich von einigen wenigen abgesehen. Fakt ist Deutschland leidet unter seinen Lehrer und eine Knute gehört kreirt, die den Damen und Herren Feuer unterm Hintern macht.

  • "What motivates us" ist ein wunderschönes kleines Video von RSA, herrlich animiert bezugnehmend auf die Vorträge von Dan Pink. Es räumt recht drastsch mit den Mythen und Legenden auf, dass man mit Zuckerbort und Peitsche sonderlich viel erreichen könnte.
    Es ist leider auf Englisch..., aber lohnt sich denke ich auch für Menschen die im Englischen nicht sehr so sind.

    http://www.youtube.com/watch?v=u6XAPnuFjJc

  • Das sind interessante Reaktionen auf den Artikel. Jede Gruppe zeigt zunächst auf eine andere Gruppe, die etwas ändern soll - hier also die Lehrer auf die Eltern und die Politiker. Dies ändert dann aber gar nichts - jeder will Änderungen und niemand will sich ändern. Insbesondere Lehrer mit psychologischen Kenntnissen sollten wissen, wie wichtig es ist selbst Verantwortung zu übernehmen. Das heisst nicht, dass die Lehrer die Hauptschuldigen (besser Hauptverantwortlichen) sind. Nachdem der Artikel offensichtlich auf eine gut abgesicherte empirische Studie basiert, ist der Angriff auf den Inhalt genauso sinnvoll wie der Angriff auf die Mathematik - abgesehen vielleicht von der (sicher gewollten) provozierenden Überschrift (Verallgemeinerung von faulen Lehrern). Sollen Verbesserungen erreicht werden, so hilft es sicher, sich gegenüber Kritik zu öffnen, vermeintliche persönliche Angriffe sachlich richtig zu stellen und last not least kooperativ mit anderen Gruppen zusammen zu arbeiten, um Verbesserungen tatsächlich zu erreichen.

  • lehrer zu kritisieren ist ja gut und schön aber trift es da den richtigen?

    würde es nicht mehr helfen moderne technik stärker zu nutzen. anstelle schüler zu eine art 'kopierer' zu machen (lehrer schreibt an die tafel und die kinder schreiben das ab) und so keine zeit zu haben dem lehrer inhaltlich zu folgen, z.b. lehrvideos bereitzustellen...

  • Ein Essay mit der Überschrift: "Wie man faulen Eltern auf die Sprünge hilft!" wäre gewiss sinnvoller gewesen, denn es liegt nicht an den Lehrern, die großen allerorten festzumachenden Defizite, sondern an den Eltern selbst. Doch da wagt sich keiner ran, an diese heilige Kuh, die in Wahrheit keine ist. Die Politik genauso wie die Kirchen machen ja nichts anderes mehr als die Anbetung der Familie, und lässt völlig außer Acht, dass die deutsche Familie die Erziehung der Kinder mittlerweile total ausgelagert hat. Das kann sie sich leisten, nachdem man ihr seit Jahren das Geld nur noch so nachwirft. Jüngstes Beispiel: Es wird seit Neuestem diskutiert, Eltern bis zu 12 Tage mehr Urlaub zuzuerkennen. – Man muss sich fragen, geschieht mittlerweile in diesem Land beinahe alles auf dem Rücken solcher Lehrer und anderer Menschen mit Erziehungsberufen, die schon Nerven wie Drahtseile benötigen, um die teils außer Rand und Band geratenen Heranwachsenden wenigstens halbwegs wieder auf die Bahn zu bekommen. Es sollte langsam Schluss in Deutschland sein, den Eltern in wirklich allem nur noch den Freibrief zu erteilen!

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