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21.04.2008 
Vorwahlen in Pennsylvania

Showdown mit Signalwirkung

von Markus Ziener

Pennsylvania, das sind die USA im Kleinen. Der Bundesstaat an der Ostküste heißt nicht zufällig der „Keystone“-State – wie der Schlussstein beim Hausbau. Den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Barack Obama und Hillary Clinton stellt sich vor allem eine Frage: Wer erobert bei den Vorwahlen die Stimmen der weißen Arbeiter?

Wer gewinnt in Pennsylvania die Herzen der Wähler? Foto: ReutersLupe

Wer gewinnt in Pennsylvania die Herzen der Wähler? Foto: Reuters

BUTLER. Sie waren einst der Stolz des Städtchens Butler: die Eisenbahnwerke der Firma Pullman. Schmucke stählerne Wagen wurden dort produziert, die in der Hochzeit der Eisenbahn in den USA quer von der Ost- an die Westküste fuhren. Pullman stand für Qualität, Luxus – und Jobs. Heute sind auf dem ehemaligen Pullman-Feld nahe des Stadtkerns von Butler vor allem Parkplätze und Flachbauten zu sehen. Die alten Fabrikhallen sind abgerissen, die letzte erst vor drei Jahren. Pullman ist Vergangenheit.

„Wir haben zu sehr auf eine Karte gesetzt“, sagt Diane Sheets, die heute in einem jener Funktionsbauten auf dem Pullman-Feld ihren Schreibtisch hat. Sheets ist Direktorin bei einer privaten Stadtentwicklungsgesellschaft, die zur Hälfte von Butler County finanziert wird. Statt nur noch auf Stahl setzt man dort auf Vielfalt und High Tech. Darauf ist die örtliche Hochschule getrimmt, die lokale Geschäftswelt und vor allem die Entwicklungsgesellschaft, die genau solche Betriebe ansiedeln will. Optisch ist die Kommune zwar noch keine Augenweide, aber auf dem Jobsektor hat sich das neue Konzept bereits ausgezahlt. „Die Firmen hier suchen dringend Leute, aber der Markt ist abgegrast“, sagt Sheets.

Nicht nur in Butler, nördlich von Pittsburgh, werden die traditionellen Arbeiterjobs, die einst fest in der Hand der „working class whites“ waren, immer seltener. Dies gilt für die gesamten USA. Und genau das macht die Vorhersagen für die heutigen Vorwahlen in Pennsylvania so überaus kompliziert. Die bisher gültigen Wählerlinien verrutschen zwischen den demokratischen Lagern, also zwischen Hillary Clinton und Barack Obama. Aber sie verrutschen auch zwischen Demokraten und Republikanern. Deshalb sind die Wahlen in Pennsylvania mehr als nur ein weiterer Showdown zwischen den beiden demokratischen Kandidaten. Sie lassen Rückschlüsse auf das Wahlverhalten insgesamt zu.

Beinahe erdrutschartig hatten sowohl Al Gore im Jahr 2000 wie auch John Kerry 2004 die weißen Arbeiter an den Republikaner George W. Bush verloren. Und als die Demokraten 2006 den Kongress zurückeroberten, gelang dies nicht etwa deshalb, weil bei dieser wichtigen Gruppe eine grundlegende Wende gelang. Tatsächlich schafften die Demokraten lediglich, die Verluste bei weißen Jobbesitzern in Grenzen zu halten. Denn obwohl die Sympathiekurve für die Republikaner deutlich nach unten zeigte, hielten sie bei dieser Wählergruppe einen Vorsprung von zehn Prozentpunkten.

Pennsylvania hat von allem reichlich: von blaublütigen Aristokraten im Osten, hippen Studenten in Philadelphia, smarten Kaufleuten in den reichen Vororten der Hauptstadt und gut ausgebildeten Facharbeitern wie den Stahlkochern in Pittsburgh. Der Bundesstaat an der Ostküste heißt nicht zufällig der „Keystone“-State – wie der Schlussstein beim Hausbau. Pennsylvania, das sind die USA im Kleinen.

Umfragen helfen bei den Prognosen deshalb nur begrenzt. Wie etwa werden jene 300 000 seit November neu registrierten Demokraten abstimmen? Sind sie tatsächlich vor allem im Obama-Lager zu verorten? Wie sehr wirkt sich die Tatsache aus, dass Hillary beim Geldsammeln erneut deutlich von ihrem Konkurrenten abgehängt wurde (rund 40 Mill. Dollar gegenüber 20 Mill. Dollar) und Obama in Pennsylvania das Geld mit vollen Händen ausgibt? Und schließlich: Stimmt es, dass die Demokraten des ewigen Wettbewerbs überdrüssig sind, ein Ende herbeisehnen und vielleicht schon deshalb heute Obama ihren Segen geben?

Natürlich ist es übertrieben, wenn die US-Medien Pennsylvania zu jenem Schlachtfeld hochschreiben, bei dem es um alles oder nichts gehe. Denn immerhin folgen noch ein paar andere „Swing-States“ wie Indiana oder North Carolina schon in zwei Wochen. Doch wahr ist auch: Wer Pennsylvania holt, der hat mehr in der Tasche als nur eine weitere Trophäe. Pennsylvania ist ein Pfund, mit dem man Eindruck machen kann. Etwa bei den demokratischen Super-Delegierten, die womöglich auf dem Parteitag in Denver die Wahl entscheiden.

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