Dann tritt Cindy McCain nach vorne, um nach all dem Macho-Politik etwas über „the man“ erzählen, der seine Familie immer über alles gehalten habe. Sie hatten bereits drei Kinder, als sie von einem Besuch bei Mutter Theresa in Bangladesch mit einem kranken Mädchen zurückkehrte, das medizinisch behandelt werden sollte. Doch auf dem Flug, ohne Absprache mit ihrem Mann, habe sie sich entschieden, dieses Kind zu adoptieren. Und beim Empfang am Flughafen habe er nur gelächelt, ihr Mann, John McCain, „the next president of the United States“.
Nur eine kurze Geschichte, aber sorgfältig kalkuliert auf die sozialkonservativen Republikaner. Die besonders radikalen unter ihnen fahren in South Carolina schon wieder eine Schmutzkampagne gegen ihn. Er habe als Kriegsgefangener in Vietnam egoistisch gehandelt und Cindy sei eben nur seine zweite Frau, die erste habe er mitsamt den ersten drei Kindern (auch davon zwei adoptiert) verlassen. Ersteres wird hier im provisorischen Zelt vor McCains Hauptquartier empört zurückgewiesen, letzteres zumindestens akzeptiert, denn die Menschen kennen McCains persönliche Geschichte.
„We know the truth“, steht auf einem der handgeschriebenen Plakate, und auf der Rückseite: „An army wife for McCain“. Schon im Wahlkampf 2000 hatten persönliche Anwürfe McCain den Sieg in South Carolina gekostet. Das soll nicht noch einmal geschehen, daher hat er jetzt eine „Truth Squad“ aufgestellt, die alle Vorwürfe sofort beantworten soll.
Erst jetzt ergreift der Kandidat das Mikrofon, und die Gedanken über sein hohes Alter rücken sofort nach hinten. "Wir werden hier in South Carolina gewinnen - und dann im November auch die Präsidentschaft", ruft er seinen Anhängern zu. In diesen schweren Zeiten brauche Amerika einen entschlossenen und erfahrenen Führer, der das Land im Kampf gegen den islamischen Extremismus anführt. "We will never surrender. They will." Markige Worte, aber der Zungenschlag ist dennoch ein anderer als bei Mike Huckabee, der tags zuvor vom "Islamo-Faschismus" gesprochen hatte, der vernichtet werden müsse: "We win. They lose."
Doch McCain weiß, dass er sich hier nicht weiter als Militärexperte und Außenpolitiker weiter profilieren muss. Sondern als harter Steuer- und Finanzpolitiker, um auch die "fiscal hawks" in seiner Partei zu gewinnen. Wie in Michigan, wo ihm die offenen Worte Wählerstimmen gekosten haben, sagt er den Wählern auch in South Carolina harte wirtschaftliche Zeiten voraus. Aber noch immer sein Amerika der größte Innovator, der größte Exporteur der Welt und könne sich aus der Misere befreien.
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