Doch dafür müsse in Washington das Steuer herumgerissen, die Staatsfinanzen saniert werden. Als erstes, so McCain, werde er die nur temporären Steuersenkungsgesetze der Bush-Administration permanent machen - damit Unternehmen und Familien ihre Zukunft planen können. Und dann müssten die Staatsausgaben drastisch gekürzt werden, vor allem die Projekte für einzelne Interessensgruppen, die so genannten porc barrel projects. Dabei könnten 100 Mrd. Dollar eingespart und in die Umschulung und Qualifizierung der Menschen gesteckt werden. Außerdem wolle er die Unternehmenssteuer von 35 auf 25 Prozent senken und die Steuergesetze drastisch vereinfachen.
An dieser Stelle verfällt McCain dann doch in den Huckabee-Stil. Natürlich sei das auch gegen den Widerstand der Washingtoner Lobby machbar, das sei doch ganz einfach. Er werde eine Kommission unter Leitung von Alan Greenspan (dem greisen Ex-Notenbankchef) einrichten und einen Plan ausarbeiten lassen. Und dann habe der Kongress 60 Tage Zeit, ja oder nein zu sagen.
Ein Blick in Putins Augen
Ganz zum Schluss kommt er dann doch noch zum Irak. Er braucht nicht mehr zu erklären, dass er von Anfang an die falsche Strategie von Donald Rumsfeld kritisiert und mehr Truppen gefordert hatte. Statt dessen spricht McCain die Entscheidung von Time-Magazin an, Wladimir Putin zum Mann des Jahres zu machen. Er habe Putin tief in die Augen gesehen und darin klar und deutlich drei Buchstaben gelesen: K G B. Nein, nicht Putin sei der Mann des Jahres, sondern General David Petraeus. Der Mann, der McCains Forderungen im Irak umgesetzt und die Lage (vorerst) zum guten gewendet hat. Die Botschaft ist deutlich: Wählt McCain, und solche Fehlentscheidungen wie die von Bush, die Tausenden von US-Soldaten das Leben gekostet haben, wird es nicht mehr geben.
Die Veranstaltung gibt eine Stimmung wieder, die sich langsam breit macht. Immer mehr prominente Republikaner stellen sich hinter den ehemaligen Maverick, den unberechenbaren Außenseiter. Und auch in den Umfragen erlebt McCain seit einigen Wochen einen starken Aufschwung. Wenn er in South Carolina gegen den Sozialkonservativen Huckabee und den Wirtschaftsexperten Mitt Romney gewinnen sollte hat er auch eine gute Chance, in Florida gegen den anderen liberalen Republikaner, gegen Rudy Giuliani zu gewinnen und als Favorit in den „Super Tuesday“ zu gehen.
Beim Gang aus dem Zelt wird McCain bejubelt und umdrängt wie ein Popstar. Doch kaum hat er das Scheinwerferlicht verlassen werden seine Bewegungen wieder eckiger. Da ist er wieder, der Gedanke an das hohe Alter des Mannes, der die USA bis zum Jahr 2012 führen will.
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