Ein zentrales Problem ist, dass deutsche Fakultäten zu klein sind. Die größten haben zwischen 15 und 20 Professoren - im Ausland sind es oft doppelt so viele oder mehr. "Gute Leute, denen sie ein Angebot machen, schauen immer: Gibt es da andere gute Forscher, mit denen ich gerne zusammenarbeiten möchte?" sagt Grüner. Selbst Köln, die personalstärkste wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät des Landes, leidet unter der zu geringen Größe. "Viele gute Leute aus dem Ausland wollen nicht kommen, weil sie das Gefühl haben, hier sind sie in ihrem Fachgebiet mutterseelenallein auf weiter Flur", erzählt Fuest. Die Kölner Volkswirte wollen 2008 versuchen, diesem Dilemma zu entkommen. Dann gehen drei Professoren gleichzeitig in den Ruhestand. "Wir wollen die Stellen im Paket ausschreiben", so Fuest. Dann könnte man vielleicht Forscher, die im Ausland verstreut sitzen, dazu bewegen, gemeinsam nach Köln zu kommen.
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Mit solchen kreativen Ideen versuchen alle führenden deutschen VWL-Fakultäten, ihren Wettbewerbsnachteil abzuschwächen. Doch viele Reformvorschläge bleiben im öffentlichen Dienstrecht stecken, versanden in der Ministerialbürokratie oder scheitern an internen Widerständen.
Ein Beispiel dafür, wie schwer Reformen umzusetzen sind, erleben die Volkswirte der Uni Mannheim. Um bei der Personalstärke der kritischen Masse an Forschern näher zu kommen, würden sie gerne einen Teil der bisher stets befristet vergebenen Assistentenstellen in zusätzliche und unbefristete Professorenstellen umwandeln. Doch über die Details des Plans laufen seit langem zähe Verhandlungen mit dem Wissenschaftsministerium.
Immerhin, die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern geht in die richtige Richtung. Nachdem die Münchener Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) den Status einer "Elite-Universität" erlangt hat, ist dort eine neue Flexibilität in der Personalpolitik möglich; zum Beispiel so genannte "proaktive Berufungen". Die LMU kann Top-Forscher, die auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind, auch dann einstellen, wenn gerade kein Lehrstuhl vakant ist. Professoren-Ehepaaren, die gemeinsam auf Jobsuche sind, kann die LMU bessere Angebote machen. Bei der Bezahlung "wird es künftig Elemente geben, die im deutschen Beamtenrecht bislang unmöglich gewesen sind", sagt der Münchener Spieltheoretiker Klaus M. Schmidt. "Wir können deutlich kompetitivere Gehälter zahlen."
Unterschiede bei Gehalt und Arbeitsbedingungen, die an deutschen Fakultäten teilweise den Neid der Kollegen provozieren, sind im Ausland gang und gäbe - wer besonders erfolgreich publiziert, bekommt Boni und muss seltener im Hörsaal stehen. Hier zu Lande ist so etwas die ganz große Ausnahme. Der Kölner Ökonomie-Professor Axel Ockenfels konnte durchsetzen, dass er sich mit dem Geld aus einem hochdotierten Forschungspreis einen Wissenschaftler anstellt, der für ihn die Vorlesungen hält. Aber im Januar 2006 betonte der damalige Kölner Dekan Norbert Herzig im "Handelsblatt":"Ockenfels ist ein Einzelfall." Eine generelle Abkehr davon, dass alle Professoren gleich viel Veranstaltungen halten müssen, sei problematisch. Doch gerade die acht bis neun Semesterwochenstunden Lehrverpflichtungen schrecken Forscher aus dem Ausland ab. "Das schockiert die Leute richtig", berichtet Grüner. Denn gute Forscher müssend dort oft weniger als halb so viel unterreichten.
Dass man mit sehr guten Konditionen wirkliche Spitzenkräfte anziehen kann, zeigt Frankfurt am Main. Ausgestattet mit viel Geld von der Stiftung "Geld und Währung", holte die Fakultät die Top-Forscher Roman Inderst von der LSE
und Stefan Gerlach aus Basel; im April 2008 folgt Thomas Laubach von der amerikanischen Fed. Dank Inderst und Gerlach hat sich die Uni im Ranking 2007 auf Platz fünf nach vorne gearbeitet und die HU Berlin überholt. Unangenehme Folgen hatte Frankfurts Einkaufstour dagegen für die Baseler VWL-Fakultät: Die Schweizer stürzen durch Gerlachs Weggang von Rang 13 auf Rang 18.
