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01.10.2007 
Konzeptpapier des Chicagoer Ökonomen Harald Uhlig

Blaupause für eine German School of Economics

von Olaf Storbeck

Was müsste passieren, damit in Deutschland eine VWL-Fakultät entstünde, die sich mit Harvard, MIT und Co. messen kann? Der Chicagor Ökonomieprofessor Harald Uhlig, der lange in Deutschland tätig war, stellt diese Frage in einem provokanten Diskussionspapier. Schonungslos rechnet er mit dem deutschen Hochschulsystem ab und macht einen revolutionären Vorschlag.

Harvard in Deutschland ist möglich, sagt Makro-Ökonom Harald Uhlig.Lupe

Harvard in Deutschland ist möglich, sagt Makro-Ökonom Harald Uhlig.

"In Deutschland gibt es keinen Fachbereich der Volkswirtschaftslehre, der in Qualität mit den besten ,economics departments’ der USA vergleichbar wäre.“ Diese schonungslose Analyse stammt vom deutschen Makro-Ökonomen Harald Uhlig, der nach sieben Jahren an der Berliner Humboldt Universität im Sommer an die University of Chicago gewechselt ist.


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Von dort aus schaltet sich der Wissenschaftler jetzt lautstark in die hochschulpolitische Debatte seines Heimatlandes ein. In einem provokanten Diskussionspapier entwirft Uhlig ein Konzept, wie man eine ökonomische Elite-Fakultät schaffen könnte, die die besten Ökonomen der Welt anzieht und in einer Liga spielt mit Harvard oder dem MIT. „Ein solcher Fachbereich wäre von zentraler Bedeutung, um die Qualität der ökonomischen Analyse zu erhöhen“, so Uhlig. Denn: „Gute Wirtschaftspolitik braucht eine exzellente Analyse der wirtschaftlichen Situation.“ Der Mangel daran führe zu einem „enormen und langfristig dauerhaften Schaden für Deutschland“.


»  Handelsblatt Ranking VWL – alle Ergebnisse für Unis und Einzelforscher


Um eine exzellente VWL-Fakultät in Deutschland aufzubauen, schlägt Uhlig eine vergleichsweise simple Strategie vor: „Im Wesentlichen muss man das Vorbild der besten Fachbereiche kopieren oder überbieten sowie keine Kosten und Mühen scheuen, das beste Personal für diesen Fachbereich einzuwerben.“ Zentral sei, dass die Geldgeber glaubwürdige langfristige Verpflichtungen eingehen, um zu vermeiden, „dass die Top-Kandidaten für einen solchen Fachbereich dem ,Braten nicht trauen’“.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bedingungen für den Erfolg des Projekts

Erfolg könne die Idee nur haben, wenn man die Zwänge des deutschen Universitätswesens über Bord wirft. Daher solle man erwägen, „nicht auf einem in Deutschland bereits existierenden Fachbereich aufzubauen, sondern dieser Fachbereich sollte völlig neu entstehen“. Die Alternative sei die „komplette Neustrukturierung existierender Universitäten“.

Um für Top-Forscher aus dem Ausland attraktiv zu sein, müsse der neue Fachbereich zudem ausreichend groß sein. Dies sei gegeben bei 25 Professoren auf Lebenszeit, zehn Assistenzprofessoren und 100 Doktoranden. „Wissenschaft wird nicht in Isolation betrieben. Exzellente Wissenschaftler möchten gerne an einem Fachbereich sein, wo auch andere exzellente Wissenschaftler sind.“

Als Professor solle nur in Frage kommen, wer mehrfach in den fünf besten Fachzeitschriften der Welt publiziert hat und längere Zeit an einem Top-20-Fachbereich im Ausland tätig war. Die Lehrverpflichtungen müssten geringer sein als an amerikanischen Top-Unis, das Gehalt müsse frei verhandelt werden. „Es muss möglich sein, das US-Gehalt um 25 Prozent zu überbieten“, schreibt Uhlig. Die Ressourcenausstattung der Wissenschafter solle von ihrer persönlichen Forschungsleistung abhängen, zudem solle eine international hochkarätig besetzte Wissenschaftlerkommission die „Exzellenz in Forschung und Lehre regelmäßig überprüfen“.

Unter diesen Bedingungen ließen sich etliche deutsche Spitzenökonomen, die im Ausland tätig sind, zur Rückkehr bewegen, so Uhlig. Das Handelsblatt-Ranking zeigt: Von den 100 forschungsstärksten deutschen Ökonomen unter 45 arbeitet jeder zweite im Ausland.

Das Uhlig-Papier entwirft nicht nur einen visionäres Zukunftskonzept, sondern ist zugleich eine schonungslose Abrechnung mit den Schwächen des Hochschulsystems. Die Universitäten seien zu klein, unterfinanziert und zu wenig der „Mission Wissenschaft“ verschrieben. Bürokratie und Managementaufgaben würden exzellente Forschung und Nachwuchsausbildung massiv behindern. Mit 210 Zeitstunden pro Jahr seien die Lehrverpflichtungen zu hoch – ein Forscher an einer ausländischen Forschungsuni müsse nur 80 Stunden pro Jahr unterrichten. Auch die Gehälter in Deutschland seien nicht konkurrenzfähig. Schon ein Assistenzprofessor verdiene in den USA mitunter mehr als ein deutscher Lehrstuhlinhaber.

Die Kosten des von ihm skizzierten Elite-Fachbereichs schätzt Uhlig auf 14 Mill. Euro pro Jahr. 6,25 Mill. davon würden für Gehälter, Pensionsansprüche und Forschungsmittel der Professoren verwendet, 5,3 Mill. für die Assistenz-Professoren und Doktoranden. Weitere zwei Mill. würden für Verwaltungskosten anfallen.

„14 Mill. Euro mögen als eine hohe Summe für einen volkswirtschaftlichen Fachbereich erscheinen“, so Uhlig. „Sie ist aber nicht hoch, wenn man bedenkt, dass die Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland jährlich mit 80 Mill. Euro gefördert werden.“

Als Standort für die neue Einrichtung schlägt er München oder Berlin vor. „Das Projekt wird scheitern, sollte man es auf die ,grüne Wiese’ hinsetzen.“ Nur einen Namensvorschlag macht Uhlig nicht. Wie wäre es mit „German School of Economics“?

Was halten Sie von Harald Uhligs Vorschlag? Bitte schreiben Sie eine Mail mit Ihrer Meinung an hb [punkt] oekonomieseite [ät] vhb [punkt] de.
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