Welche Wirtschaftswissenschaftler haben in den vergangenen drei Jahrzehnten besonders viel Furore gemacht? Eine neue Studie präsentiert die 146 meistzitierten Forschungspapiere seit 1970 – und zeigt mehrere Umwälzungen innerhalb des Fachs auf.
Robert Barro, Eugene Fama und Joseph Stiglitz – das sind nach einer neuen Studie die drei einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftler der vergangenen 35 Jahre. Jeder der drei Ökonomen hat seit 1970 sechs Forschungsarbeiten veröffentlicht, die seit 1970 mindestens 500 Mal zitiert worden sind. Das ist das Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Studie.
Die Untersuchung „What has mattered to Economics since 1970?” isoliert insgesamt 146 Arbeiten isoliert, die sich seit 1970 zu akademischen „Blockbustern“ entwickelt haben. Neben Barro, Fama und Stiglitz gehören acht weitere Ökonomen zu der kleinen Elitegruppe von Wissenschaftlern, die gleich mehrere extrem einflussreiche Arbeiten geschrieben haben siehe Tabelle).
| DIE EINFLUSSREICHSTEN ÖKONOMEN SEIT 1970 (ZAHL DER STARK ZITIERTEN ARBEITEN) | ||
| Rang | Name | Zahl der Blockbuster |
|---|---|---|
| 1 | Robert Barro | 6 |
| Eugene Fama | 6 | |
| Joseph Stiglitz | 6 | |
| 3 | Michael Jensen | 5 |
| 4 | Robert Lucas | 4 |
| David Kreps | 4 | |
| 5 | Robert Engle | 3 |
| Lars Hansen | 3 | |
| Robert Merton | 3 | |
| Edward Prescott | 3 | |
| Stephen Ross | 3 | |
Die Autoren der Studie - E. Han Kim, Adair Morse und Luigi Zingales - haben dabei nur Aufsätze betrachtet, die nach 1970 in einer von 41 prominenten ökonomischen Fachzeitschriften erschienen sind. Grundlage waren die Citationsdatenbanken des ISI Web of Science/Social Science Citation Index.
Die Untersuchung macht deutlich: Die Themenschwerpunkte innerhalb der Ökonomie haben sich seit 1970 deutlich verschoben. In den 70er- und 80er-Jahren spielten mikro- und makroökonomische Arbeiten eine sehr prominente Rolle – jeweils rund 17 Prozent der zu dieser Zeit meistzitierten Arbeiten stammten aus diesen Fachgebieten. In den 90er-Jahren hat sich der Anteil der viel zitierten Mikro- und Makro-Arbeiten dann nahezu halbiert. Deutlich wichtiger wurden dagegen die Themen Wachstum und Entwicklung. Relativ stabil blieb der Anteil der Arbeiten aus den Gebieten Ökonometrie und Finance, er liegt bei jeweils rund 20 Prozent.
| TOP-10 DER AM HÄUFIGSTEN ZITIERTEN ÖKON. AUFSÄTZE SEIT 1970 | |||||
| Autor(en) | Jahr | Titel | Zeitschrift | Zitate | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | White, H. | 1980 | A Heteroskedasticity-Consistent Covariance-Matrix Estimator and a Direct Test for Heteroskedasticity | Econometrica | 4318 |
| 2 | Kahneman, D./ Tversky, A. | 1979 | Prospect Theory - Analysis of Decision under Risk | Econometrica | 4085 |
| 3 | Jensen, M. / Meckling, W. | 1976 | Theory of Firm - Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure | Journal of Financial Economics | 3923 |
| 4 | Engle, R.. / Granger, C. | 1987 | Cointegration and Error Correction - Representation, Estimation, and Testing | Econometrica | 3432 |
| 5 | Heckman, J. | 1979 | Sample Selection Bias as a Specification Error | Econometrica | 2978 |
| 6 | Black, F./ Scholes, M. | 1973 | Pricing of Options and Corporate Liabilities | Journal of Political Economy | 2197 |
| 7 | Dickey, D. A., Fuller, W. A. | 1979 | Distribution of the Estimators for Autoregressive Time-Series with a Unit Root | Journal of the American Statistical Association | 2589 |
| 8 | Johansen, S. | 1988 | Statistical-Analysis of Cointegration Vectors | Journal of Economic Dynamics & Control | 2145 |
| 9 | Cleveland, W. S. | 1979 | Robust Locally Weighted Regression and Smoothing Scatterplots | Journal of the American Statistical Association | 2051 |
| 10 | Engle, R. | 1982 | Autoregressive Conditional Heteroscedasticity with Estimates of the Variance of United-Kingdom Inflation | Econometrica | 2013 |
Auch rein theoretische Forschung befindet sich auf dem Rückzug. So waren Anfang der siebziger Jahre noch drei von vier viel zitierten Arbeiten theoretischer Natur, gerade einmal nur elf Prozent waren empirisch. Bis zur Jahrtausendwende hat sich dieses Verhältnis nahezu umgedreht: Heute sind 60 Prozent der besonders erfolgreichen Arbeiten empirisch, nur noch elf Prozent theoretisch. Konstant blieb der Anteil der Arbeiten, die sich mit methodischen Fragen der Ökonometrie beschäftigen – er liegt bei etwa einem Viertel.
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