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23.04.2007 

Die Studie zeigt: Vor allem junge, erfolgreiche Forscher verlassen das Land. Von den 100 forschungsstärksten Ökonomen unter 45 Jahren arbeitet jeder zweite an einer ausländischen Universität. „Langsam muss man sich fast rechtfertigen, dass man nicht in den USA ist“,, sagt der Münchener Spieltheoretiker Klaus M. Schmidt, der selbst vor 15 Jahren ein Jobangebot des renommierten MIT in Boston ausschlug.

Heute sind es vor allem die US-Unis, die deutsche Top-Forscher anziehen – jeder zweite deutsche Auslandsökonom arbeitet in den USA. Großbritannien und die Schweiz liegen auf Platz zwei und drei der beliebtesten Länder.

An einigen ausländischen Hochschulen ballen sich so viele deutsche Ökonomen, dass diese sogar den Forschungsoutput vieler deutscher Unis übertreffen. Würden zum Beispiel die deutschen Forscher an der Northwestern University im US-Bundesstaat Illinois als eigene VWL-Fakultät gezählt, läge diese unter den deutschen Unis auf Platz elf – vor traditionsreichen Adressen wie Hamburg, Münster und Freiburg. Insgesamt acht ausländische Unis würden mit ihren deutschen Ökonomen den Einzug in die Liste der 25 forschungsstärksten Fakultäten der Republik schaffen.

Auffällig ist: In den fünf angesehensten ökonomischen Fachzeitschriften der Welt sind Deutsche, die im Ausland arbeiten, deutlich häufiger vertreten als ihre heimischen Kollegen. Dies spricht dafür, dass ihre Arbeiten im Schnitt eine höhere wissenschaftliche Qualität haben. Denn Zeitschriften wie der „American Economic Review“ und „Econometrica“ legen besonders strenge Qualitätsmaßstäbe für die Veröffentlichung von Aufsätzen an.


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Für die deutsche Wirtschaftswissenschaft ist der „brain drain“ ein vergleichsweise junges Phänomen. In der Generation der heute über 50-jährigen Forscher gibt es nur ganz vereinzelt Ökonomen, die auf Dauer das Land verlassen haben. Fast drei Viertel der „Expatriates“ sind jünger als 40 Jahre.

Dies ist ein Indiz dafür, dass sich die ökonomische Ausbildung des Nachwuchses an den deutschen Hochschulen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat. „Unsere Studenten sind heute international konkurrenzfähig“, sagt Friedrich Schneider, der Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik (VfS), der wichtigsten Vereinigung von VWL-Professoren im deutschsprachigen Raum.

„Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die angelsächsischen Universitäten für gute junge Forscher extrem attraktiv sind“, sagt Schneider. „Unsere jungen Talente sehen, dass ausländische Hochschulen oft bessere Zukunftschancen bieten als deutsche.“ Die Arbeitsbedingungen und Karriereperspektiven seien im Ausland oft besser. Der 58-jährige Schneider ging daher schon Ende der siebziger Jahre nach seiner Promotion in Konstanz ins Ausland; heute ist er Professor im österreichischen Linz.

Dass junge Wissenschaftler während oder nach ihrem Studium ins Ausland gehen, sehen Experten wie Schneider nicht per se als Problem – im Gegenteil. „Das ist für uns eine Riesenchance, denn dadurch werden gute Wissenschaftler in aller Regel noch besser“, betont der Chef des VfS. „Gefährlich wird es erst dann, wenn es nicht gelingt, zumindest einen Teil der Forscher nach ein paar Jahren wieder zurückzuholen.“

Tatsächlich umwerben etliche deutsche Fakultäten seit Jahren gezielt die erfolgreichen Forscher im Ausland. „Es gibt viele, die gerne nach Deutschland zurückkommen würden – wenn die Arbeitsbedingungen stimmen“, sagt der Mannheimer Ökonom Konrad Stahl. Doch selbst Top-Fakultäten wie Bonn und Mannheim handeln sich immer wieder Absagen ein. Und einige Ökonomen, die sich zur Rückkehr entschieden hatten, haben Deutschland inzwischen wieder in Richtung USA verlassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3:Was Forscher an deutschen Unis alles abschreckt

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