Ein ganzes Bündel von Faktoren schreckt Forscher, die im Ausland sind, ab. „Das deutsche Hochschulsystem ist insgesamt zu starr und nicht wirklich willens, sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen“, urteilt der deutsche Makroökonom Henning Bohn, der in Santa Barbara lehrt.
Gerade junge Wissenschaftler werden hier zu Lande nicht eben gut bezahlt, der Karriereweg ist länger als im Ausland. Nachwuchsforscher müssen in Deutschland in der Regel während der Promotion mehrere Jahre als Assistenten eines Professors dienen. In den USA ist es üblich, dass man seinen Doktor-Titel in einem Graduiertenprogramm macht und danach als gut bezahlter „Assistant Professor“ selbständig an einer Hochschule arbeitet. Auch die hohen und undifferenzierten Lehrverpflichtungen an den hiesigen Universitäten schrecken ab. Ein Professor muss in Deutschland in jedem Semester acht bis neun Stunden im Hörsaal stehen. In den USA müssen Hochschul-Wissenschaftler dagegen meist nur halb so viel unterrichten. Wer besonders erfolgreich forscht oder Drittmittel anwirbt, kann seine Lehrverpflichtung weiter reduzieren.
Zudem macht die interne Organisation und die Hochschul-Bürokratie deutsche Unis für Auslandsforscher unattraktiv. Das Lehrstuhl-Prinzip sei „die letzte Bastion des Feudalismus“, lästert der in London forschende Spieltheoretiker Steffen Huck. Die Folge: Ein deutscher Professor muss sich um die Verwaltung seines Budgets und der ihm zugeordneten Stellen kümmern – Dinge, die in angelsächsischen „Departments“ hauptamtliche Verwaltungsleute übernehmen.
Immerhin: In den letzten Jahren ist auch in die deutschenUniversitäten Bewegung gekommen. „Die Universitätslandschaft in Deutschland verändert sich zurzeit mit dramatischer Geschwindigkeit“, betont der Münchener Spieltheoretiker Klaus M. Schmidt. „Für die Wissenschaftler, die hier sind, bedeutet das eine hohe zusätzliche Arbeitsbelastung, aber die Richtung der Entwicklung ist gut, und es gibt Licht am Ende des Tunnels.“
