Die Gründe für die Qualitätsprobleme der deutschen VWL sind vielschichtig. Viele Fachbereiche sind schlichtweg zu klein – mit oft nur einem halben Dutzend Professoren fehlt ihnen die kritische Masse.
„Das Versäumnis liegt nicht bei den Fakultäten, sondern klar bei der Politik“, sagt der Züricher Ökonomie-Professor Christian Ewerhart, der bis Ende 2003 in Bonn tätig war. „Sie zwingt die deutschen VWL-Fakultäten wie einen unterfinanzierten Fußballverein in eine Verliererrolle im internationalen Wettbewerb um die besten Talente.“
Eine systematische Graduiertenausbildung ist an deutschen Unis nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Traditionell promovieren Volkswirte an einem Lehrstuhl unter der Obhut eines Professors. Wer Pech hat und an einen schwachen Forscher gerät, wird nicht an internationale Standards herangeführt und landet schnell in der Sackgasse. Denn nach Hauptstudium und Diplomarbeit verfügen junge Volkswirte noch nicht über das methodische Handwerkszeug, das für moderne ökonomische Forschung erforderlich ist.
Die Bonner Volkswirte waren die Ersten, die schon 1977 ein Doktorandenprogramm nach US-Vorbild einführten. Inzwischen ziehen immer mehr Fakultäten nach – doch anspruchsvolle Spezialkurse ausschließlich für Doktoranden scheitern oft an knappen Universitätsbudgets.
Die akademische Selbstverwaltung an den Unis bremst deutsche Forscher zusätzlich – statt sich vollständig auf Forschung und Lehre konzentrieren zu können, müssen sie sich auch um die Uni-Administration kümmern. „Die interne Hochschulbürokratie ist in Deutschland wirklich enorm belastend“, sagt der Züricher Top-Ökonom Bruno Frey, der sieben Jahre in Konstanz lehrte. Hinzu kommen die starren und im internationalen Vergleich hohen Lehrverpflichtungen – unabhängig davon, ob er ein guter oder schlechter Forscher ist, muss jeder deutsche Professor pro Semester jede Woche acht bis neun Stunden Vorlesungen und Seminare halten. In den USA sind die Lehrverpflichtungen oft nur halb so groß – und wer viel und prominent veröffentlicht, muss seltener in den Hörsaal.
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