Neben all diesen strukturellen Problemen spiegelt sich in der schlechten internationalen Forschungsleistung der deutschen Volkswirtschaftslehre auch ein Sonderweg, den die Disziplin in Deutschland bis in die späten achtziger Jahre gegangen ist. Moderne ökonometrische Methoden waren vielerorts verpönt, ebenso empirische Forschungsfragen. Der Arbeitsmarkt für Nachwuchsprofessoren glich einem Kartell, das von einflussreichen Professoren in Hinterzimmern gesteuert wurde – gute Beziehungen und der richtige Leumund waren für die akademische Karriere oft wichtiger als die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit.
Die Forschungsergebnisse wurden in aller Regel auf Deutsch in Monografien und Sammelbänden veröffentlicht – und unterlagen kaum einer Qualitätskontrolle. Bei Fachzeitschriften ist dagegen ein hartes Gutachter-Verfahren üblich. Zwei Fachleute, die den Namen des Verfassers nicht kennen und selbst anonym bleiben, beurteilen die Qualität einer eingereichten Arbeit. Die Selektion ist hart – gute Journale lehnen mehr als 90 Prozent der Arbeiten ab. Hans Peter Grüner aus Mannheim betont: „Der doppelblinde Gutachterprozess bei Fachzeitschriften ist insgesamt ein gutes Instrument zur Qualitätssicherung, das bei Sammelbänden leider meist nicht genutzt wird.“
Viele etablierte deutsche VWL-Professoren stellen Qualitätsunterschiede zwischen den Publikationskanälen infrage. Sie wehren sich auch dagegen, dass deutschsprachige Publikationen in heimischen Fachzeitschriften als minderwertig abqualifiziert werden. Ein Nachwuchswissenschaftler der Uni München spottet: „Niemand von diesen Herren würde einen Porsche gegen einen Jetta tauschen. Aber bei Zeitschriften wird noch oft so getan, als wäre das alles das Gleiche.“
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