Ein Jahr nach seiner Einführung wird das VWL-Ranking des Handelsblatts innerhalb der Profession sehr stark beachtet. Viele positive Reaktionen bestätigen das Handelsblatt, sein Engagement bei der Evaluation ökonomischer Forschung fortzusetzen. Aber die Nutzer des Rankings sollten sich auch über die Grenzen der Studie bewusst sein.
Exakt 1 168 Einzelforscher und 10 421 Aufsätze – die Datenbank, die Grundlage für das Handelsblatt-Ökonomenranking ist, hat eine beachtliche Größe erreicht.
Seit ihrer ersten Veröffentlichung vor einem Jahr wird die Handelsblatt-Studie in der ökonomischen Profession stark beachtet und ist weithin akzeptiert. „Das Ranking wurde innerhalb kürzester Zeit zum Fokalpunkt unter deutschsprachigen Ökonomen“, so Martin Kolmar, Professor an der Universität St. Gallen.
Bei Berufungsentscheidungen spielen die „Handelsblatt-Punkte“ der Bewerber inzwischen eine Rolle. Die VWL-Fakultät in Hannover orientiert sich bei ihrer internen Leistungsevaluation am Handelsblatt-Ranking; die Mannheimer Volkswirte diskutieren, es zur Grundlage für leistungsorientierte Zuschläge zu machen. Ausländische Volkswirte geben bei Bewerbungen immer häufiger ihre Handelsblatt-Punktzahl an, berichten Professoren.
Friedrich Schneider, Präsident des Vereins für Socialpolitik, lobt die Untersuchung als „enorm wichtig“: „Ich bin dem Handelsblatt für diese Studie ausgesprochen dankbar. Das Ranking ist anders als die meisten anderen sehr gut gemacht und orientiert sich an den Standards unserer Profession.“ Bereits 2006 hatte CES-Ifo-Chef Hans-Werner Sinn das Ranking als „außerordentlich nützlich“ bezeichnet.
Das Handelsblatt fühlt sich durch die positiven Reaktionen bestätigt, sein Engagement bei der Evaluation ökonomischer Forschung fortzusetzen. Objektive Maßstäbe für die Güte der Forschungsleistung von Einzelpersonen und Fakultäten tragen dazu bei, den Qualitätswettbewerb in der Wissenschaft zu stärken.
Bei der Interpretation der Ergebnisse des Rankings sollten sich die Nutzer allerdings bewusst sein, dass es bei der Aggregation und Gewichtung von individuellen Forschungsleistungen nicht die eine perfekte Methode gibt, die allen Einzelfällen genau gerecht wird. So hat zum Beispiel die Auswahl und Gewichtung der Zeitschriften, bei der man mit guten Argumenten unterschiedliche Entscheidungen rechtfertigen kann, in Einzelfällen merkliche Auswirkungen auf das Abschneiden eines Forschers. Auch die Frage, ob man das Lebenswerk eines Wissenschaftlers betrachtet, seine Publikationen in den vergangenen Jahren oder seine Produktivität pro Jahr, ist für das relative Abschneiden nicht unerheblich.
So wie ein gutes ökonomisches Modell kein Eins-zu-eins-Abbild der Wirklichkeit ist, aber gerade dadurch bestimmte Sachverhalte klar erkennbar macht, erhebt das Handelsblatt-Ranking den Anspruch, die Forschungsleistung der Ökonomen verlässlich abzubilden, ohne aber jedem Einzelfall exakt gerecht werden zu können.
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Grundsätzlich basiert das Handelsblatt-Ranking darauf, dass es in der Zunft eine allgemein bekannte Hierarchie von Fachzeitschriften gibt und man daher von der Qualität einer Zeitschrift auf die Qualität der darin veröffentlichten Aufsätze schließen kann.
Forschungspapiere, die in den im Handelsblatt-Ranking berücksichtigten Zeitschriften erscheinen, unterliegen anders als Bücher oder Aufsätze in Sammelbänden einer Qualitätskontrolle. Nur Studien, die das Plazet von externen Fachgutachtern bekommen, werden von diesen Fachzeitschriften angenommen. Manche Journale lehnen mehr als 90 Prozent der eingereichten Manuskripte ab. Dieser Ausleseprozess, der je nach Anspruch und Renommee der Zeitschrift unterschiedlich streng ist, führt in der Regel dazu, dass nur die besten Arbeiten veröffentlicht werden.
Die Journal-Liste des Handelsblatts wurde im Vergleich zum Vorjahr ergänzt – statt 181 werden nun 220 Zeitschriften berücksichtigt. Bei Auswahl und Gewichtung orientiert sich das Handelsblatt weiterhin an bestehenden Journal-Rankings. Zum einen wird das Gewichtungsschema der französischen Ökonomen Pierre-Philippe Combes und Laurent Linnemer berücksichtigt, die 2003 im Auftrag der European Economic Association ein Ranking der führenden europäischen VWL-Fakultäten erstellten. Zweitens wird die – in diesem Jahr aktualisierte – Liste des niederländischen Tinbergen-Instituts herangezogen. Neu ist, dass zusätzlich das im Juli 2007 erstellte Journal-Ranking des Kieler Instituts für Weltwirtschaft berücksichtigt wird.
Darüber hinaus wurde der Kanon der betrachteten Zeitschriften für das Fachgebiet Statistik erweitert. Grund dafür ist, dass die drei betrachteten Zeitschriften-Listen die führenden Statistik-Zeitschriften nur unzureichend abdecken.
Fünf Top-Journale bilden im Handelsblatt-Ranking die Benchmark – der „American Economic Review“, „Econometrica“, das „Journal of Political Economy“, der „Review of Economic Studies“ sowie das „Quarterly Journal of Economics“. Ein Artikel aus diesen Zeitschriften ist einen Punkt wert. Aufsätze in den 215 anderen Journalen bekommen zwischen 0,67 und 0,2 Punkten. Hat ein Papier mehrere Autoren, so werden die Punkte unter den Verfassern aufgeteilt.
