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29.02.2008 
Weimers Woche

LKW aus Mainz oder Cabrio aus Berlin

Michael Naumann hat Recht. Mit Kurt Beck ist es tatsächlich wie mit einem LKW. Er brummt ziemlich mächtig vor sich hin, man braucht ihn irgendwie, aber sobald es geht, will man ihn doch überholen.

Nun ist die Macht ein seltsamer Schmarotzer ihrer selbst. Sie erhält sich nur, wenn sie sich mehrt. Womit wir beim Problem des LKW aus Mainz wären.

Beck ist in dieser Legislatur - keiner hätte das bei diesem Mann je für möglich gehalten - zum mächtigsten Politiker der SPD aufgestiegen. Lange hatte sie ihn unterschätzt, die Schickeria der Berliner Republik. Zu bieder, zu provinziell, zu uncool für die Mediendemokratie. Nun führt er die Regierungspartei und dirigiert die zugleich die inner-koalitionäre Opposition. Wenn die SPD neue Wimpel bekommt oder Deutschlands Arbeitslosengesetze reformiert werden soll, kommt man am LKW der deutschen Politik nicht vorbei. Er hat - wie Angela Merkel - ein instinktives Gespür für die Tektonik postmoderner Politik. Wie sie ist er ein kühler Statiker in der Architektur der Macht.

Nun hat er sich aber gründlich verkalkuliert. Die linken Ausfallschritte der vergangenen Monate - vom Rollback der Agenda-Politik über die Mindestlohnkampagne bis zur Linkspartei-Öffnung - hatten alle nur einen Zweck: Oskar Lafontaines und Gregor Gysis Siegeszug zu bremsen. Doch diese Strategie ist mit den jüngsten Landtagswahlen grandios gescheitert. Kurt Becks eifriger Lauf nach links machte die Linkspartei nur immer stärker - wie beim Wettlauf von Hase und Igel, war der linke Igel immer schon da.

Becks taktischer Fehler rund um die Hamburgwahl ist nur ein Indiz für den großen strategischen Fehler, die Partei nach links zu führen, um die Linkspartei nieder zu halten. Dieser Versuch führt zu einem Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Was als Wahlkampfmanöver begann, ist nun eine Erwartungsschlacht geworden. Den verletzten Seelen seiner Partei wird er etwas bieten müssen, soll der schleichende Legitimationsverlust der SPD nicht zum Erdrutsch führen. Doch was? Wie in einem Shakespearischen Drama vollzieht sich Becks Niedergang nun in Akten einer Tragödie. Angela Merkel macht ihm die Räume in der Mitte eng. Die Linkspartei besetzt das linke Herz. Seine wichtigsten Parteigenossen machen erfolgreiche Ministerarbeit in einer Regierung; die er aus Mainz heraus kleinnäselig opponiert. Er spielt einen Linksrücker, weil er glaubt, das brauche seine Partei nun. Im Grunde seines Wesens aber ist er ein ganz biederer Bewahrer. Nur - das Bewahrenswerte der Agenda-Politik seiner Partei, seines Vorgängers Gerhard Schröder verstößt er gegen innere Einsicht. Wo man bei ihm hinschaut - tragische Verkehrungen.

Und so demontiert man ihn scheibchenweise. Man lästert in der SPD inzwischen in derben Varianten über den "den LKW aus Mainz" und wird ihm die Kanzlerkandidatur nur lassen, wenn die SPD ganz gewiss verliert. Wenn sich aber eine Siegesoption auftäte, und sei sie in einer vereinigten Linken, dann werden sie den LKW ganz rasch auf die Standspur schicken. Denn neben dem Brummi aus Mainz gibt es einen "Cabrio aus Berlin" - und der heißt Klaus Wowereit.

Dr. Wolfram Weimer ist Herausgeber und Chefredakteur von Cicero.
Lesen Sie mehr unter » www.cicero.de

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