Darum ist die merkwürdig kleine Zahl 37 in Wahrheit ein verräterischer Isolationsindikator. Denn mit all den Besiegten und linken Überholmanövern sind immer auch Teile des konservativen Bürgertums entfremdet worden. Weder die Wirtschaftsliberalen, noch die Nationalkonservativen, noch die religiösen Wertebewahrer fühlen sich durch Angela Merkels Mitte-Moderation wirklich vertreten.
Wie einst der linke und der Gewerkschaftsflügel bei Schröder legen sie nun schweigend ihre Gefolgschaft nieder. Da es sich aber um die historischen Kraftquellen der Union handelt, droht die Machtbasis bereits mitten im scheinbaren Erfolg zu erodieren.
Verströmen also die Frühlingsblumen ihrer Kanzlerschaft schon jetzt den morbiden Duft herbstlicher Astern? Das hieße Merkel unterschätzen. Sie riecht das Problem sehr wohl. Darum öffnet sie sich die Option zu den Grünen. Doch auch in diesem Punkt folgt ihr die CDU nur widerwillig.
Die Ankündigung von Christian Wulf, fortan stärker in Berlin zu agieren, ist daher eine strategisch spannende Entwicklung. Wird es Angela Merkel bei der nächsten Wahl nicht gelingen, eine schwarz-gelbe Koalition zum Sieg zu führen, dann dürfte man ihr nahelegen, Partei-Amt und Kanzlermandat zu trennen - so wie Wulf es auf Länderebene jetzt schon vormacht und die Schablone damit bereit legt. Es kommt jedenfalls Bewegung in die Union. Und immer mehr wagen die Prognose: Im kommenden Jahr wird Christian Wulf neuer CDU-Vorsitzender.
Wolfram Weimer ist Herausgeber und Chefredakteur von Cicero. Mehr von ihm finden Sie unter » www.cicero.de


