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23.07.2007 

Die Wissenschaftler analysieren in ihrer Studie auf der Ebene des einzelnen Analysten die Frage: Unterscheiden sich seine Botschaften, die für Privat-Anleger bestimmt sind, inhaltlich von denen für Profi-Investoren?

Aus mehreren Quellen haben sie dafür Informationen in einer Datenbank zusammengeführt. Für die Jahre 1993 bis 2002 kennen sie auf der Ebene einzelner Aktien und Analysten die individuellen "Kaufen"- , "Halten"- und "Verkaufen"- Urteile - ebenso wie die jeweilige Gewinnschätzung und die Börsenreaktionen auf die Analystenurteile. Zudem haben die Forscher recherchiert, ob und wann der Arbeitgeber des Analysten Investment-Banking-Aufträge des Unternehmens erhalten hat. Den Optimismus eines Analysten messen sie daran, wie sehr sich sein Urteil von der Durchschnittseinschätzung an den Finanzmärkten unterscheidet.

Das Ergebnis ist brisant: Analysten übertreiben gegenüber professionellen Investoren weniger stark als gegenüber Privatanlegern. "Analysten sprechen mit gespaltener Zunge", so das Fazit. Botschaften, die sich an Finanzmarkt-Profis richten, seien spürbar akkurater als die für Privatanleger. Wenn es zwischen dem Arbeitgeber des Analysten und dem betrachteten Unternehmen im Investment-Banking Geschäftsbeziehungen gibt, dann gibt er sich gegenüber Privatanlegern deutlich optimistischer als seine Kollegen.


» Aktienanalysen des Tages: Aktuelle Einstufungen und Kursziele


Auffällig ist: Analysten, bei denen es potenziell Interessenskonflikte geben kann, heben ihre Empfehlungen erst dann an, wenn die Mehrheit ihrer Kollegen optimistisch ist. Dann aber halten sie deutlich länger an positiven Urteilen fest. Nach negativen Meldungen über das Unternehmen warten sie viel länger, bis sie ihre Empfehlung absenken. Die Gewinn-Entwicklung des gleichen Unternehmens beurteilt der gleiche Analyst jedoch meist nicht systematisch anders als andere Beobachter. Allerdings stießen die Forscher auch hier auf ein pikantes Detail: Kurz bevor die Unternehmen neue Zahlen bekannt geben, neigen Analysten mit potenziellen Interessenskonflikten dazu, ihre Gewinnprognosen zu untertreiben - möglicherweise, damit die Firma die Erwartungen übertreffen kann. Auch dies spricht dafür, dass sich Banken mit ihrem Research bei Kunden beliebt machen wollen.

Ganz anders sieht es bei Analysten aus, deren Arbeitgeber nicht parallel im Investment-Banking für das betrachtete Unternehmen tätig ist. Wenn es keine Interessenskonflikte gibt, gibt es auch keine systematische Lücke zwischen Empfehlungen für Privatkunden und für institutionelle Anleger - und auch keine sonstigen Auffälligkeiten. All dies deutet darauf hin: Die "chinesischen Mauern" zwischen Investment-Banking und Research sind nicht sonderlich dicht.

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