Am besten lässt sich das Phänomen mit einem Zahlenbeispiel illustrieren. Stellen Sie sich ein Land vor, dessen Bruttoinlandsprodukt (BIP) heute 1 000 Mrd. Euro beträgt. Bei einem jährlichen Wachstum von drei Prozent würde das BIP bis 2018 auf 1 344 Mrd. Euro klettern.
Was passiert aber, wenn das Land im ersten Jahr in eine Finanzkrise gerät und das BIP um fünf Prozent schrumpft? Selbst, wenn sich die Wirtschaft schnell erholt und nach einem Jahr wieder mit drei Prozent wächst, läge das BIP im Jahr 2018 nur bei 1 240 Mrd. Euro. Um den durch die Finanzkrise verursachen Wohlstandsverlust innerhalb von zehn Jahren aufzuholen, müsste die Wirtschaft nach der Krise jährlich um fast vier statt um drei Prozent wachsen.
Solch eine Aufholjagd aber findet in der Realität so gut wie nie statt, stellen Cerra und Saxena fest.
Die beiden Wissenschaftlerinnen unterscheiden in ihrer Untersuchung die Auswirkungen von Banken- und von Währungskrisen. So kostet eine Währungskrise ein Land im Schnitt rund vier Prozent seiner Wirtschaftsleistung. In Industrieländern führt Chaos auf dem Devisenmarkt zu geringeren Einbußen als in Entwicklungsländern. Weder reichen noch armen Staaten gelingt es laut Cerra und Saxena allerdings, diese Einbußen innerhalb von zehn Jahren wieder auszugleichen.
Doch Währungskrisen muten fast noch harmlos an im Vergleich zu Bankenkrisen. Wenn Banken eines Landes nachhaltig ins Trudeln geraten, kostet das die Wirtschaft im Schnitt 7,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, stellen die Wissenschaftlerinnen fest. Was die Sache noch dramatischer macht: In hoch entwickelten Industriestaaten haben Bankenkrisen in der Vergangenheit besonders großen Schaden angerichtet.
Der ökonomische Super-Gau tritt ein, wenn es gleichzeitig bei den Banken und auf dem Devisenmarkt brennt. In solchen Fällen bricht das BIP im Durchschnitt um zehn Prozent ein und erholt sich innerhalb von zehn Jahren nicht. Angesichts der chronischen Schwäche der US-Währung, die nach Ansicht mancher Beobachter in einem regelrechten Dollar-Crash münden könnte, ist dies ein besonders beunruhigendes Resultat.
Was sich aus den historischen Erfahrungen für die aktuelle Finanzkrise schließen lässt, das diskutieren Cerra und Saxena nicht. Aus ihren Ergebnissen lassen sich aber folgende Schlussfolgerungen ziehen: Langfristig muss die Bankenaufsicht so gut sein, dass es gar nicht erst zu einer Krise kommt.
Wenn aber – wie momentan – das Finanzsystem ernsthaft wackelt, dann sollten Geld- und Fiskalpolitik alles daran setzen, um das Ausmaß der Krise zu minimieren. Angesichts des Gefahrenpotenzials erscheinen auch ordnungspolitisch an sich fragwürdige Aktionen durchaus angemessen – zum Beispiel die Rettung einzelner Geldhäuser durch die Zentralbank wie im Falle Bear Stearns oder drastische Zinssenkungen trotz Inflationsrisiken.
