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14.04.2008 
Studie zu Corporate Goverance

Banker im Aufsichtsrat richten Schaden an

von Olaf Storbeck

Wem nutzt es, wenn Banker im Aufsichtsrat von Unternehmen sitzen? Nur die Banken selbst profitieren - und das gleich doppelt, zeigt eine brisante Studie. Den kontrollierten Unternehmen selbst dagegen schadet es eher: Je mehr Banker im Aufsichtsrat, desto geringer ihre Börsenbewertung.

Die Frankfurter Skyline mit den Bankentürmen (Foto: dpa)Lupe

Die Frankfurter Skyline mit den Bankentürmen (Foto: dpa)

Eigentlich war es eine ganz harmlose Frage, doch Hilmar Kopper brachte sie in arge Verlegenheit. In welchen Aufsichtsräten er eigentlich noch so sitze, wurde der damalige Deutsche-Bank-Chef mal auf einer RWE-Hauptversammlung gefragt. Kopper war nicht in der Lage, seine vielen Mandate aus dem Kopf aufzuzählen. Über 60 verschiedenen Aufsichtsräten gehörte der Banker in seiner Berufskarriere an, in 13 verschiedenen Dax-Unternehmen war er präsent.

Eine solche Ämterhäufung gehört heute zwar der Vergangenheit an. In 19 der 30 Dax-Konzerne aber ziehen nach wie vor aktive wie pensionierte Spitzenbanker die Strippen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei Siemens, sein Vorgänger Rolf-E. Breuer bei Eon und Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller bei Linde. Der Banker mit den meisten Mandaten ist der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Clemens Börsig. Er ist Aufsichtsratschef seines einstigen Arbeitgebers und in den Kontrollgremien von Bayer, Daimler, Lufthansa und Linde vertreten.


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Was steckt hinter solchen Personalverflechtungen? Was bedeuten sie für die kontrollierten Unternehmen? Und was bringen sie den Banken? Ein dreiköpfiges Team aus Finanzmarktforschern der Universitäten Rotterdam und Mannheim hat diese Fragen jetzt erstmals systematisch für die deutsche Wirtschaft untersucht.

Ihr Ergebnis ist brisant. Unternehmenseigner täten gut daran, Banker aus ihren Aufsichtsräten herauszuhalten. Die Studie, die jüngst als Diskussionspapier des European Corporate Governance Institute (ECGI) in Brüssel erschienen ist, zeigt: Positiv sind Aufsichtsratsmandate von Bankern nur für die Banken. Die Unternehmen dagegen, die Ackermann und Co. kontrollieren, haben davon in aller Regel nichts. Häufig schadet ihnen ein Banker im Kontrollgremium sogar. "Die Präsenz von Bankern im Aufsichtsrat hat einen signifikant negativen Effekt auf die Performance des Unternehmens", lautet das Fazit von Ingolf Dittmann (Rotterdam), Ernst Maug und Christoph Schneider (Mannheim).

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Wie die Forscher vorgegangen sind

Basis der Arbeit ist eine in mühevoller Handarbeit zusammengetragene Datenbank zu allen Unternehmen, die von 1994 bis 2005 zu den 100 größten deutschen Aktiengesellschaften gehörten und selbst keine Banken waren - insgesamt 137 verschiedene Aktiengesellschaften. Aus fünf verschiedenen Quellen trugen Dittmann, Maug und Schneider Daten über diese Firmen zusammen. Die Forscher betrachten 27 einzelne Indikatoren, darunter Größe und Zusammensetzung des Aufsichtsrats, Kapital- und Kreditverflechtungen mit Banken sowie Umsatz- und Ertragsentwicklung.

Zunächst bestätigt die Studie das Ende der klassischen "Deutschland AG" - aber nur mit Blick auf die Unternehmensbeteiligungen der Geldinstitute, nicht, was ihre Präsenz in den Aufsichtsräten angeht.

1994 waren vier Prozent des Kapitals der betrachteten Aktiengesellschaften im Besitz von Banken - zwölf Jahre später waren es nur noch 0,4 Prozent. Die Wissenschaftler führen diese Entflechtung auf die Unternehmensteuerreform der rot-grünen Bundesregierung zurück, die ab 2002 Beteiligungsverkäufe steuerfrei machte. Obwohl sich die Banken nach 2002 aber von rund 90 Prozent ihrer Unternehmensbeteiligungen trennten, sank ihre Präsenz in den Aufsichtsräten der Firmen nur um 30 bis 40 Prozent.

Die Forscher klopfen alle in der Corporate-Governance-Forschung geläufigen Erklärungen für die Präsenz von Bankern in Aufsichtsräten ab. Für die meisten davon finden sie in ihren Daten keine Bestätigung. So gibt es keine Indizien dafür, dass sie als Aufpasser der Geldhäuser agieren und deren Interessen als Gläubiger oder Miteigentümer wahren sollen. Banker scheinen auch nicht wegen ihrer besonderen Kapitalmarkt-Expertise in den Aufsichtsräten zu sitzen. Und nichts deutet darauf hin, dass sie den Unternehmen helfen, Finanzierungsschwierigkeiten zu überwinden. Banker im Aufsichtsrat haben auch keine Bedeutung für das Investitionsverhalten der Firma.

Die Banken selbst jedoch profitieren offenbar in doppelter Hinsicht vom Engagement ihrer Führungskräfte in den Kontrollgremien anderer Firmen. Erstens scheinen die Geldmanager dort wertvolles Wissen darüber zu sammeln, wie die Branche des Unternehmens tickt. Wenn eine Bank einen Aufsichtsrat in einem Unternehmen stellt, vergibt sie nach einiger Zeit spürbar mehr Kredite an die gesamte Branche, in der diese Firma tätig ist.

Zweitens scheinen die Banker als Vertriebsagenten für die Investmentbank-Abteilungen ihrer Arbeitgeber zu agieren. Bei Fusionen und Übernahmen heuern die Unternehmen besonders häufig die Investmentbank an, die in ihrem Aufsichtsrat vertreten ist, stellen die Forscher fest.

Was für die Banken lukrativ ist, beschert den Unternehmen laut Studie handfeste Nachteile. An den Finanzmärkten werden Firmen, in denen Banker im Aufsichtsrat sitzen, mit einem spürbaren Abschlag gehandelt. Wenn ein Finanzer ins Kontrollgremium aufgenommen wird, sinkt das Verhältnis von Markt- und Buchwert ("Tobins Q") im Schnitt um fünf bis sieben Prozent.


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