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14.04.2008 

Basis der Arbeit ist eine in mühevoller Handarbeit zusammengetragene Datenbank zu allen Unternehmen, die von 1994 bis 2005 zu den 100 größten deutschen Aktiengesellschaften gehörten und selbst keine Banken waren - insgesamt 137 verschiedene Aktiengesellschaften. Aus fünf verschiedenen Quellen trugen Dittmann, Maug und Schneider Daten über diese Firmen zusammen. Die Forscher betrachten 27 einzelne Indikatoren, darunter Größe und Zusammensetzung des Aufsichtsrats, Kapital- und Kreditverflechtungen mit Banken sowie Umsatz- und Ertragsentwicklung.

Zunächst bestätigt die Studie das Ende der klassischen "Deutschland AG" - aber nur mit Blick auf die Unternehmensbeteiligungen der Geldinstitute, nicht, was ihre Präsenz in den Aufsichtsräten angeht.

1994 waren vier Prozent des Kapitals der betrachteten Aktiengesellschaften im Besitz von Banken - zwölf Jahre später waren es nur noch 0,4 Prozent. Die Wissenschaftler führen diese Entflechtung auf die Unternehmensteuerreform der rot-grünen Bundesregierung zurück, die ab 2002 Beteiligungsverkäufe steuerfrei machte. Obwohl sich die Banken nach 2002 aber von rund 90 Prozent ihrer Unternehmensbeteiligungen trennten, sank ihre Präsenz in den Aufsichtsräten der Firmen nur um 30 bis 40 Prozent.

Die Forscher klopfen alle in der Corporate-Governance-Forschung geläufigen Erklärungen für die Präsenz von Bankern in Aufsichtsräten ab. Für die meisten davon finden sie in ihren Daten keine Bestätigung. So gibt es keine Indizien dafür, dass sie als Aufpasser der Geldhäuser agieren und deren Interessen als Gläubiger oder Miteigentümer wahren sollen. Banker scheinen auch nicht wegen ihrer besonderen Kapitalmarkt-Expertise in den Aufsichtsräten zu sitzen. Und nichts deutet darauf hin, dass sie den Unternehmen helfen, Finanzierungsschwierigkeiten zu überwinden. Banker im Aufsichtsrat haben auch keine Bedeutung für das Investitionsverhalten der Firma.

Die Banken selbst jedoch profitieren offenbar in doppelter Hinsicht vom Engagement ihrer Führungskräfte in den Kontrollgremien anderer Firmen. Erstens scheinen die Geldmanager dort wertvolles Wissen darüber zu sammeln, wie die Branche des Unternehmens tickt. Wenn eine Bank einen Aufsichtsrat in einem Unternehmen stellt, vergibt sie nach einiger Zeit spürbar mehr Kredite an die gesamte Branche, in der diese Firma tätig ist.

Zweitens scheinen die Banker als Vertriebsagenten für die Investmentbank-Abteilungen ihrer Arbeitgeber zu agieren. Bei Fusionen und Übernahmen heuern die Unternehmen besonders häufig die Investmentbank an, die in ihrem Aufsichtsrat vertreten ist, stellen die Forscher fest.

Was für die Banken lukrativ ist, beschert den Unternehmen laut Studie handfeste Nachteile. An den Finanzmärkten werden Firmen, in denen Banker im Aufsichtsrat sitzen, mit einem spürbaren Abschlag gehandelt. Wenn ein Finanzer ins Kontrollgremium aufgenommen wird, sinkt das Verhältnis von Markt- und Buchwert ("Tobins Q") im Schnitt um fünf bis sieben Prozent.


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