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12.09.2006 
Leistungsorientierte Bezahlung

Ist Josef Ackermann 12 Millionen Euro wert?

von Olaf Storbeck

Die Deutsche Bank zahlt ihrem Vorstandschef fast zwölf Millionen Euro pro Jahr, um ihn zu Höchstleistungen zu motivieren. Doch zu hohe Leistungsanreize können zu einer schlechteren Arbeitsleistung führen, zeigen vier renommierte US-Forscher in einer aktuellen Studie.

Josef Ackermann verdient als Vorstandssprecher der Deutschen Bank fast 12 Millionen Euro im Jahr. Foto: dpaLupe

Josef Ackermann verdient als Vorstandssprecher der Deutschen Bank fast 12 Millionen Euro im Jahr. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Fast zwölf Millionen Euro - mit diesem Jahreseinkommen gehört Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu den bestbezahlten Arbeitnehmern in Deutschland. Er verdient damit rund 300 Mal mehr als ein durchschnittlicher Beschäftigter in der Industrie. Im Vergleich zu den Spitzenkräften angelsächsischer Investment-Banken nimmt sich sein Salär allerdings vergleichsweise bescheiden aus: In London können sich führende Investment-Banker auf jährliche Boni von 15 Millionen Euro und mehr freuen.

Solche Summen sprengen die Phantasie von Otto-Normalverbraucher - hinter ihnen steckt jedoch ein einfaches ökonomisches Kalkül: Die Spitzen-Banken wollen die klügsten Köpfe an sich binden und ihr Top-Personal durch üppige, aber leistungsabhängige Bezahlung zu Höchstleistungen motivieren. Schließlich lautet eines der ökonomischen Grundgesetze: Höhere Anreize führen zu mehr Engagement und einer besseren Performance.

Vier US-Wissenschaftler ziehen diese Prämisse nun massiv in Zweifel. Die Forscher um den Management-Professor Dan Ariely (MIT) und den Wirtschaftspsychologen Goerge Loewenstein (Carnegie Mellon) zeigen in einer Reihe von Experimenten: Unter bestimmten Umständen können besonders hohe Leistungsanreize perverse Effekte haben - mitunter führen sie nicht zu einer besseren, sondern zu einer schlechteren Performance.

Für einen Teil ihrer Experimente reisten die Forscher nach Indien. In einer abgelegenen Kleinstadt ließen sie Versuchspersonen gegen Geld Aufgaben lösen, bei denen es auf Geschicklichkeit, Konzentrationsfähigkeit und Kreativität ankam. Die Bezahlung hing davon ab, wie gut sich diese dabei schlugen. Was die Probanden nicht wussten: Die Forscher hatten sie in drei Gruppen aufgeteilt, in denen der maximal erreichbare Geldbetrag unterschiedlich hoch war.

Bei einem Teil der Versuchspersonen lobten die Wissenschaftler für sehr gute Leistung 2 400 Rupien aus, umgerechnet etwa 40 Euro. Für indische Verhältnisse handelt es sich dabei um viel Geld - die Summe entspricht dem, was die Menschen in der Region im Schnitt in einem halben Jahr für den Konsum zur Verfügung haben. In den beiden anderen Gruppen zahlten die Wissenschaftler für die gleichen Tätigkeiten dagegen maximal 24 bzw. 240 Rupien.

Die Ergebnisse waren überraschend: Probanden, für die es im Experiment um bis zu 2400 Rupien ging, brachten signifikant schlechtere Leistungen. Nur knapp 20 Prozent von ihnen schafften es, den Maximalbetrag zu verdienen. In den anderen Gruppen schafften es mehr als 35 Prozent der Probanden - obwohl sowohl die Tätigkeiten als auch die Leistungsanforderungen identisch waren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie repräsentativ sind die Ergebnisse?

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