Der Yale-Professor versucht daher, das Phänomen über einen Umweg einzufangen. "Die vertikalen Produktunterschiede sollten sich in den Preisen niederschlagen", argumentiert er. "Japanische Fernseher sollten dann auf dem amerikanischen Markt zu einem deutlich höheren Preis gehandelt werden als solche aus China."
Und genau dies weist Schott für die meisten wichtigen US-Importe nach. Innerhalb von Warengruppen seien Produkte, die aus China kommen, stets deutlich billiger als solche aus hochentwickelten Ländern. Bei Chemikalien beträgt der "Made in China"-Discount 23 Prozent, bei Maschinen gar 60 Prozent. Und im Laufe der Jahre sind diese Preisunterschiede nicht etwa geringer geworden. Im Gegenteil: "Die Preisabschläge für chinesische Produkte haben sich ausgeweitet."
Der Ökonom interpretiert dies als Indiz dafür, dass die Qualitätsunterschiede zwischen Produkten aus China und aus anderen Ländern deutlich gestiegen sind. "Die Lücke zwischen Exportpreisen für Produkte aus China und aus Industrieländern legt den Schluss nahe, dass der Wettbewerb zwischen diesen Volkswirtschaften weniger direkt ist, als die Überlappung in den Produktmärkten nahelegt."
Zentral für seine Argumentation ist die Annahme, dass die Preisunterschiede nicht hauptsächlich durch niedrigere Produktionskosten in China entstehen, sondern durch die höhere Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für bessere Fernseher aus Japan.
Dafür spricht neben der ökonomischen Theorie auch die Geschichte. Bei homogenen Gütern wie zum Beispiel Weizen näherten sich die Preise im 19. Jahrhundert im Zuge des boomenden Welthandels an, wiesen Wirtschaftshistoriker nach.
Dass Industrieländer Produkte in der gleichen Warengruppe deutlich teurer verkaufen können als China, dürfte daher ein Beleg dafür sein, dass die Industrieländer auf die neue Konkurrenz mit besseren und hochwertigeren Produkten reagiert haben. Schotts Fazit ist daher ermutigend: "Wenn dem so ist, dann gibt es Hoffnung, dass das verarbeitende Gewerbe in den Hochlohnländern auch künftig die neue Konkurrenz aus Niedriglohnländern wie China überleben kann."
