Konkurrenz belebt das Geschäft, weiß der Volksmund. Volkswirte vermuten seit Jahrzehnten: Die tatsächliche Zahl der Wettbewerber ist gar nicht so entscheidend - vor allem die potenzielle Konkurrenz zählt. Empirische Belege für diese steile These waren bislang Mangelware. Zwei US-Wissenschaftler liefern sie jetzt nach - am Beispiel der US-Luftfahrtbranche.
DÜSSELDORF. Im Jahr 1982 veröffentlichten drei US-Ökonomen ein Buch mit einer spektakulären These: Wie viele Unternehmen auf einem Markt aktiv sind, ist für die Wettbewerbsintensität vollkommen egal - solange es keine Barrieren gibt, die den Marktzutritt von neuen Firmen verhindern. Die Forscher William Baumol, John Panzar und Robert Willig begründeten mit ihrem 510-Seiten-Werk über "Contestable Markets" eine neue wettbewerbspolitische Denkschule: die Theorie der angreifbaren Märkte.
Nicht nur der tatsächliche Wettbewerbsdruck, so die Kernthese, ist für das Marktergebnis entscheidend. Auch die potenzielle Konkurrenz spielt eine große Rolle. In abstrakten Marktmodellen und unter relativ restriktiven Annahmen konnten Baumol und Co. zeigen: Wenn Marktzutritte drohen, verhält sich selbst ein Monopolist so, als würde beinharter Wettbewerb herrschen.
So plausibel die Argumentation theoretisch auch ist - Belege dafür, dass dieser Effekt auch in der Realität existiert, sind bis heute Mangelware. Vor allem, weil es schwierig ist, potenzielle Konkurrenz sauber zu erfassen und von tatsächlichem Wettbewerbsdruck abzugrenzen.
Zwei Ökonomen der Universität Chicago ist genau dieses Kunststück jetzt erstmals gelungen. Am Beispiel amerikanischer Fluggesellschaften haben die Wissenschaftler Austan Goolsbee - inzwischen Wirtschaftsberater des künftigen US-Präsidenten Barack Obama - und Chad Syverson empirisch untersucht, wie etablierte Unternehmen auf den drohenden Marktzutritt eines neuen Konkurrenten reagieren. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des "Quarterly Journal of Economics" erschienen, einer der angesehensten ökonomischen Fachzeitschriften der Welt.
Goolsbee und Syverson nutzen den Aufstieg der amerikanischen Fluglinie Southwest Airlines
als Fallbeispiel. Das 1971 gegründete Unternehmen gilt als größter und erfolgreichster Billigflieger der Welt und war Vorbild für Gesellschaften wie Ryanair
, Easyjet
und Germanwings. Vor allem in den 90er-Jahren hat Southwest sein inneramerikanisches Streckennetz drastisch ausgebaut. Das für seine Kampfpreise bekannte Unternehmen ist heute eine der größten US-Fluggesellschaften.
