Beide Szenarien basieren auf der Annahme, dass die Notenbank untätig bleibt. Mit der richtigen Reaktion, so die gute Nachricht Mishkins, könnte die Fed das Ausmaß der Konjunkturkrise deutlich verringern. Der Wissenschaftler empfiehlt ein Rezept, das die Notenbank nach dem Platzen der Aktienmarkt-Blase zur Jahrtausendwende anwandte: eine schnelle und entschlossene Senkung der Leitzinsen.
Selbst in dem Szenario, in dem die Verbraucher stärker als früher auf fallende Immobilienpreise reagieren, könnte die Notenbank die Wachstumseinbußen damit von 1,5 auf 0,5 Prozentpunkte reduzieren, zeigen die Simulationsrechnungen des Forschers. Die Arbeitslosenquote würde nur um 0,2 statt um 0,6 Prozentpunkte steigen. Voraussetzung für all dies wäre, dass die Fed den Leitzins Federal Funds Rate bis Mitte 2009 um 175 Basispunkte senkt.
Die Geldpolitik, so das Fazit von Mishkin, könne dann die Folgen einer Immobilienkrise „sehr erfolgreich“ begrenzen – wenn sie denn sofort auf einen drastischen Preisverfall am Immobilienmarkt reagiert und nicht erst abwartet, bis sich die Folgen in der Realwirtschaft zeigen.
Dank der Zeitverzögerungen, die dazu führen, dass eine Immobilienkrise langsam auf das Konsumverhalten durchschlägt, hätten die Notenbanken aber „viel Zeit, um auf die fallenden Immobilienpreise zu reagieren“.
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Kurzfristig könnte die Fed so wohl das Schlimmste verhindern. Längerfristig aber ergibt sich daraus für sie eine Glaubwürdigkeitsfalle, warnt Marco Annunziata, Chefvolkswirt des italienischen Geldhauses Unicredit. Denn die Notenbank stehe vor dem Problem der zeitlichen Inkonsistenz ihres Handels – ein Phänomen, das die Makroökonomen Finn Kydland und Ed Prescott als Erste beschrieben. Das brachte ihnen 2004 den Ökonomie-Nobelpreis ein.
Konkret stehen die Notenbanken vor folgendem Dilemma: Um Akteuren an den Finanzmärkten keine Anreize zu übermäßig riskantem Verhalten zu geben – um also „Moral Hazard“ zu verhindern –, müssen sie in normalen Zeiten den Akteuren suggerieren: Wenn es zu einer Krise kommt, kann sich niemand darauf verlassen, dass ihm die Notenbank schon zur Hilfe springen wird.
Wenn die Krise aber erst einmal da ist und eine Rezession droht, ist es für die Notenbanken dagegen plötzlich optimal, die Geldpolitik zu lockern, um einen Flächenbrand zu verhindern. Dies wiederum mache künftige Krisen wahrscheinlicher – weil Spekulanten wissen, dass sich die Notenbanken nicht glaubwürdig verpflichten können, sie bei ähnlichen Situationen ihrem Schicksal zu überlassen. Unicredit-Ökonom Annunziata: „Wegen Zeit-Inkonsistenz-Problemen müssen wir auf den Finanzmärkten mit einem gewissen Grad an Moral Hazard leben.“
