Die Finanzwissenschaftler fanden heraus: Zwischen der Entwicklung der individuellen Steuerlast und dem Investitionsverhalten besteht ein enger Zusammenhang. Wenn der effektive zu zahlende Grenzsteuersatz in Bezug auf die Kapitelkosten um zehn Prozentpunkte sinkt, steigen die Investitionen im Verhältnis zum Kapitalstock der Firma um einen Prozentpunkt. Ein durchschnittliches Unternehmen, das über einen Kapitalstock von 90 Mill. Euro verfügt, erhöhe seine Investitionen in diesem Fall um 900 000 Euro.
Die Ökonomen übertragen die Ergebnisse für die effektive Grenzsteuersätze auf Eichels Unternehmensteuerreform, durch die die nominale Steuerbelastung für Unternehmensgewinne um 14 Prozentpunkte von 52 auf 38 Prozent sank. Simulationsrechnen zeigen: Dies dürfte zu einer Erhöhung der Investitionen um mindestens 1,5 Prozentpunkte geführt haben. Firmen mit geringer Verschuldung hätten besonders stark auf die Steuersenkung regiert – ebenso wie Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe.
Ausländische Firmen aus direkten Nachbarländern reagierten überproportional stark auf die Senkung der Steuerbelastung – sie fuhren ihre Investitionen im Verhältnis zum Kapitalstock um 3,6 Prozentpunkte nach oben. Für Unternehmen aus den USA und Asien dagegen spielte die Höhe der Gewinnsteuern hingen keine Rolle.
Insgesamt bestehe aber kein Zweifel, dass die Steuerreform das Investitionsverhalten der Unternehmen beflügelt habe, lautet das Fazit der Ökonomen. Die Öffentlichkeit habe diese positiven Effekte nicht wahrgenommen, weil der konjunkturbedingte Rückgang der Investitionen größer gewesen sei. Der negative Konjunktur-Effekt auf die Investitionen sei mehr als dreimal so groß wie die positiven Wirkungen der Steuersenkungen, schätzen sie.
In der Hochkonjunktur Ende der neunziger Jahre investierte ein durchschnittliches Unternehmen pro Jahr 6,8 Mill. Euro bzw. 7,5 Prozent des Kapitalstocks. Nach dem Ende des Booms schrumpften die Investitionen auf 3,2 Mill. Euro (3,5 Prozent des Kapitalstocks). Ohne die Steuerreform wären die Investitionen auf nur noch zwei Prozent des Kapitalstocks geschrumpft.
Mögliche Rückwirkungen der Steuersenkungen auf die Gesamtwirtschaft haben die Ökonomen in ihrer Studie nicht berücksichtigt. Zumindest theoretisch sind dabei auch negative Folgen denkbar – wenn der Staat auf die Einnahmeausfälle mit Einsparungen reagiert, die die Konjunktur abwürgen.
Mit Blick auf die für von der Bundesregierung für 2008 diskutierte nächste Reformrunde bei den Unternehmensteuerreform leiten die Ökonomen aus ihrer Studie ab: „Wenn durch die Reform der effektive Grenzsteuersatz der Unternehmen um zehn Prozentpunkte sinkt, würde unsere Beispielfirma ihre Investitionen erneut um knapp eine Million Euro ausdehnen.“
