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29.10.2007 
Kinder-Küche-Kirche-Philosophie

Wem hilft es, wenn Mütter zu Hause bleiben?

von Norbert Häring

In Deutschland tobt ein Glaubenskrieg, seit ausgerechnet eine konservative Kanzlerin gemeinsam mit einer konservativen Familienministerin die traditionelle Kinder-Küche-Kirche-Philosophie der deutschen Familienpolitik infrage stellt. Was harte empirische Fakten über erwerbstätige Mütter und Kindeswohl sagen.

Karriere oder Hausfrau? Harte empirische Fakten helfen manchmal, wenn die Ideologien aufeinanderprallen. Foto: dpaLupe

Karriere oder Hausfrau? Harte empirische Fakten helfen manchmal, wenn die Ideologien aufeinanderprallen. Foto: dpa

FRANKFURT. Der Verdacht der Kritiker lautet, die angestrebte größere berufliche Verwirklichung der Frauen finde auf dem Rücken der Kinder statt, deren Mütter nicht mehr genug Zeit für sie haben, wenn sie einer Erwerbsarbeit nachgehen.

Harte empirische Fakten helfen manchmal, wenn die Ideologien aufeinanderprallen. Die in England forschende deutsche Ökonomin Uta Schönberg hat zusammen mit verschiedenen Ko-Autoren jetzt solche Fakten geliefert. Schönberg untersuchte, wie sich die Verlängerung des Mutterschutzes und des Erziehungsurlaubs auf die Karrieren der Mütter und Kinder ausgewirkt hat.

Die großzügigen deutschen Regeln zum Mutterschutz sind geprägt von dem Gedanken der Konkurrenz zwischen Erwerbsarbeit der Frau und Kindeswohl. Die Möglichkeit, sich in den ersten Jahren ohne Angst vor Jobverlust um ihr Kind kümmern zu können, sollen die Frauen aus einem Zwiespalt befreien und dafür sorgen, dass berufstätige Mütter sich möglichst lange und möglichst intensiv um ihre Kinder kümmern.

Die Forscher wandten einen raffinierten Kniff an. Sie verglichen, wie sich die Erwerbsbiografien der Mütter und die Lebensläufe der Kinder unterschieden, je nachdem, ob die Kinder kurz vor oder kurz nach den Stichtagen für die verschiedenen Verlängerungen des Mutterschutzes geboren wurden.

Zusammen mit Johannes Lusteck vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Nürnberg untersuchte Schönberg, wie sich die verlängerten Mutterschutzzeiten auf die Länge des Pausierens und langfristig auf Gehalt und die Erwerbsbeteiligung auswirkten. Zusammen mit Christian Dustmann vom University College London analysierte sie die Auswirkungen auf den Bildungsabschluss, das Arbeitslosigkeitsrisiko und das Gehalt der Kinder.

Zwischen 1979 und 1992 wurde der Urlaub mit Rückkehrgarantie in drei Schritten von zwei Monaten auf drei Jahre ausgedehnt. Jede Verlängerung des Erziehungsurlaubs verlängerte die Zeit bis zur Rückkehr an die Arbeitsstelle. Bevor 1979 die Jobgarantie von zwei auf sechs Monate verlängert wurde, kehrten rund 40 Prozent der Frauen spätestens nach zwei Monaten zum Arbeitsplatz zurück, danach waren es weniger als zehn Prozent. Der Effekt ließ mit zunehmender Ausdehnung des Erziehungsurlaubs weiter nach. Die letzte Verlängerung von 18 auf 36 Monate im Jahr 1992 ließ den Anteil derer, die nach spätestens 18 Monaten zurückkehrten, nur noch von 40 Prozent auf etwas über 30 Prozent fallen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Jobverlust des Vaters wiegt deutlich schwerer

Die Kinder bekamen also durch die großzügigeren Regeln zum Erziehungsurlaub tatsächlich mehr von ihren Müttern zu sehen. Man könnte meinen, durch die Entschärfung des Konflikts zwischen Erwerbsarbeit und Mutterrolle wäre es mehr Müttern gelungen, die beiden Rollen unter einen Hut zu bringen und langfristig erwerbstätig zu bleiben. Das trat jedoch offenbar nicht ein. Acht Jahre nach der Geburt waren von den durch die längere Freistellung begünstigten Frauen nicht mehr erwerbstätig als von denen, deren Kinder etwas zu früh geboren wurden.

Dafür waren ihre Gehälter etwas niedriger, was die Forscher mit der längeren Abwesenheit vom Arbeitsplatz erklären. Karrieremäßig scheint die längere Kinderzeit also immer noch ein Opfer zu sein. Aber was bringt es den Kindern? Die Forscher können überraschenderweise keine positiven Wirkungen ausmachen, jedenfalls nicht anhand des Schulerfolgs und ähnlich harter Erfolgskriterien.

Die Kinder, deren Mütter von den verbesserten Möglichkeiten profitierten, schnitten bei der Aufteilung auf Hauptschulen, Realschulen und Gymnasium nicht besser ab als Kinder, die etwas früher geboren worden waren. Auch der Anteil derer, die Abitur machten, war bei den von längeren Erziehungszeiten begünstigten nicht höher. Ihre Gehälter waren nicht höher, das Arbeitslosigkeitsrisiko nicht geringer. Das würde bedeuten, dass die positiven Wirkungen längerer Betreuungszeiten durch die Mütter auf ihre Kinder zumindestens nicht so durchschlagend sind, dass sie sich am Schulerfolg messen lassen.

Eine Studie aus Norwegen kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis. Drei Ökonomen aus der Forschungsabteilung des Statistikamts untersuchten, wie sich unfreiwillige Arbeitslosigkeit von Vätern und Müttern auf den Schulerfolg der Kinder auswirkt. Sie stellten fest, dass die Leistungen der Kinder besser wurden, wenn die Mutter durch eine Fabrikschließung ihren Arbeitsplatz verlor. Wenn das dem Vater passierte, verschlechterten sich ihre Leistungen dagegen.

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