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18.06.2008 
Geld statt Gottesdienst

Wenn Kirchen sonntags Konkurrenz bekommen

von Olaf Storbeck

Schon in der Bibel steht, dass am siebten Tag geruht werden soll. Und bis heute argumentieren die Kirchen, dass der Sonntag arbeitsfrei bleiben sollte. Reiner Selbstzweck, sagen nun amerikanische Ökonomen. Den Kirchen gehe es nicht um Gottesdienste, sondern ums Geld.

Bischöfin Margot Kaessmann protestiert für den arbeitsfreien Sonntag. Foto: APLupe

Bischöfin Margot Kaessmann protestiert für den arbeitsfreien Sonntag. Foto: AP

DÜSSELDORF. "Gott sei Dank, es ist Sonntag" - unter diesem Motto läuft derzeit eine Kampagne der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Erhalt der Sonntagsruhe. "Menschen leben nicht nur von der Arbeit", argumentiert die EKD. "Sie brauchen auch Zeit zum Feiern. Für Christen ist das der Sonntag. Dann feiern sie Gottesdienst und hören auf Gottes Wort."

Tatsächlich geht es in den Debatten über einen arbeitsfreien Sonntag aber um mehr als einen Tag zum Feiern. Es geht auch um das Eigeninteresse der Kirchen, und es geht ums Geld. Zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt veröffentlichte Studie von zwei US-Ökonomen. Am Beispiel der Vereinigten Staaten zeigen die Autoren: Wird der Sonntag zu einem normalen Tag, gehen weniger Menschen in die Messe, und die Spendeneinnahmen der Kirchen sinken. "Weltliche Konkurrenz spielt eine wichtige Rolle für das religiöse Verhalten", lautet das Fazit der Untersuchung. Letztlich stünden die Kirchen in direktem Wettbewerb mit Kaufhäusern - beide buhlen nach Ansicht der Wissenschaftler um Zeit und Geld der anderen Menschen.

Für Christen mag die Studie wie Blasphemie klingen. Doch so ist sie nicht gemeint. Tatsächlich hat eine religionsnahe Stiftung die Untersuchung mitfinanziert, und einer der Autoren arbeitet an einer katholischen Universität: Daniel Hungerman von der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Jonathan Gruber vom MIT nutzt er in der Untersuchung aus, dass die Sonntagsruhe in verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten seit den sechziger Jahren zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgehoben wurde. Die Ökonomen konzentrieren sich dabei auf 16 Bundesstaaten: Zehn von ihnen haben zwischen 1973 und 1998 ihre Gesetze zur Sonntagsruhe - die sogenannten "blue laws" - auf einen Schlag abgeschafft. In den sechs anderen Staaten änderte sich die Rechtslage im Betrachtungszeitraum nicht, sie fungieren als Kontrollgruppe.

Gruber und Hungerman stellen fest: Wenn in einem Bundesstaat der Sonntag nicht mehr heilig ist, gehen dort viele Menschen seltener in die Kirche. Das gilt nicht für eingefleischte Kirchgänger, die mehrfach in der Woche zum Gottesdienst gehen. Und auch nicht für die, die das nie tun. Wer seine Gewohnheiten aber ändert, sind die Menschen, die zwischen diesen beiden Extremen stehen. "Die Aufhebung der Sonntagsruhe bringt gelegentliche Kirchgänger nicht dazu, ihre Gottesdienstbesuche komplett einzustellen, diese Menschen besuchen die Gottesdienste danach aber seltener", schreiben die Forscher.

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