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17.07.2006 
Corporate Governance

Wie man übermütige Manager im Zaum hält

von Norbert Häring

Manager, die unter Genieverdacht gegen sich selbst leiden, sind für ihre Unternehmen eine Gefahr - weil sie zu viel riskieren und dadurch fehler machen. Zwei US-Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der man Führungspersonal mit zu viel Selbstvertrauen erkennen kann.

Ein Vorstandschef ohne ausgeprägtes Ego – das ist schon fast ein Widerspruch in sich. Wer steigt bis ganz in die Spitze eines Unternehmens auf, ohne überzeugt zu sein, dass er besser ist und mehr kann als alle um ihn herum? Das ist auch gut so, denn die Wissenschaft hat festgestellt: Gerade Optimisten und Selbstbewusste bewegen etwas, während Realisten eher zu Inaktivität und Depression neigen.

Andererseits sind aber viele Firmen in größte Schwierigkeiten gekommen, weil Chefs mit übermäßigem Genieverdacht gegen sich selbst Geld in unrentable Projekte, Übernahmen und Fusionen versenkten.

Die Wirtschaftswissenschaftler Ulrike Malmendier (Stanford), die in Bonn und Harvard in VWL, BWL und Jura studierte, und Geoffrey Tate (University of Pennsylvania) haben eine raffinierte Methode entwickelt um festzustellen, ob es objektiv feststellbare Eigenschaften von Führungspersönlichkeiten gibt, die für Verzerrungen der Investitionsentscheidungen von Unternehmen verantwortlich gemacht werden können.

Eine verbreitete Verzerrung von Invesititionsentscheidungen liegt darin, dass besonders viel investiert wird, wenn der Cash-Flow die Innenfinanzierung leicht mach, umgekehrt besonders wenig, wenn externe Finanzmittel zur Finanzierung nötig wären. Die Hypothese: Unternehmenslenker mit übermäßigem Selbstvertrauen halten sich und ihr Unternehmen für unterschätzt, den Kurs der eigenen Aktie damit für zu niedrig. Deshalb investieren sie zu wenig, wenn sie Geld von außen brauchen, etwa per Aktienemission, weil ihnen dieses Geld unangemessen teuer erscheint. Gleichzeitig haben sie eine übertriebene Vorstellung von der Rentabilität ihrer Lieblingsporjekte und investieren daher zu viel, wenn ein hoher Cash-Flow die Finanzierung leicht macht. Nach dieser Hypothese sollte also die Investitionstätigkeit von Unternehmen mit übermäßig selbstbewussten Top- Managern besonders stark von der Kassenlage abhängig sein.

Um diese Hypothese zu testen, griffen die Froscher, mangels psychologischer Expertisen über hinriechend viele Spitzenmanager, auf eine andere Datenquelle zurück. Sie werteten Informationen über die Ausübung von Aktienoptionen durch die Chief Executive Officers (CEOs) von 477 der größten amerikanischen Unternehmen aus.

Dabei ließen sie sich von folgender Überlegung leiten: Ein realistischer und risikobewusster Manager übt seine Optionen möglichst früh aus, weil sein Vermögen und sein Einkommen ohnehin schon in hohem Maße mit den Geschicken eines einzigen Unternehmens verknüpft sind. Ein übermäßig selbstbewusster CEO dagegen wird häufig der Meinung sein, die Aktien seiner Firma seien unterbewertet. Er wird dazu neigen, seine Optionen relativ lange zu halten und vielleicht sogar Aktien des eigenen Unternehmens dazu zu kaufen. Anhand dieser Indikatoren teilen Malmendier und Tate die CEOs in neutral und überoptimistisch ein und stellen fest: Tatsächlich reagieren die als überoptimstisch eingestuften CEOs mit ihren Investitonsentscheidungen für das Unternehmen deutlich stärker auf die Liquiditätslage als die neutral eingestuften.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Abhilfe ist möglich

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